zweite Wohnung nahm? Seiner würden wir vor jedem andern gedenken,wäre auch nicht früher an einen der Herausgeber sein freundschaftlicher Zu-ruf zu neuer veränderter Tätigkeit ergangen, ein Zuruf, der auch dem minderVollendeten nachsichtigen Beifall gleichgesinnter Leser verhieß.Doch nicht um sich eines begünstigenden Genius unserer Literatur zu ver-sichern, wollten die Unternehmer dieser Zeitschrift ihr erstes Blatt mit seinemNamen zieren. Dazu hätte es dieses öffentlichen Schmuckes nicht bedurft.Sie wollten bei einem so guten Anlasse der bildungsfähigen Jugend des Vater-landes sagen, mit wie inniger Empfindung derjenige zu ehren sei, der ihnendie hin und her geworfene Frage, zu welchem Ziele die Studien des Altertumsführen, schon längst genügender und schöner beantwortet hat, als die besteErörterung je vermöchte. Denn woher ließ solche Erhebung über die engenKreise und Tummelplätze des gewöhnlichen heutigen Lebens, woher ließensolche Ansichten von Welt und Kunst und Wissenschaft sich gewinnen, alsaus dem innern Heiligtume der altertümlichen Musenkünste, welches sich end-lich einmal wieder in einem natürlich verwandten Gemüte aufschloß? EinenHypopreten von diesem Verdienst, der nicht allein die Sprüche und Ideender verstummten Orakel auslegte, sondern selber viel Auslegungswürdigeshervorbrachte, näher kennen und seinen oft verborgenen Sinn ergründen zulernen, schon dies wäre wohl des Schöpfens aus den ewigen Urquellen derSchönheit wert.
Ihr Wort und Ansehn, Würdigster unserer Edeln, helfe hinfort uns kräftigwehren, daß nicht durch unheilige Hände dem Vaterlande das Palladiumdieser Kenntnisse entrissen werde; wie wir denn begründete Hoffnung hegen,daran ein unverlierbares Erbgut für die Nachkommen zu bewahren. Woauch der Grund zu suchen sei, in der Natur unserer Sprache oder in Verwandt-schaft eines unserer Urstämme mit dem Hellenischen, oder wo sonst etwa:wir Deutschen, nach so manchen Verbildungen, stimmen am willigsten unterden Neuern ein in die Weisen des griechischen Gesanges und Vortrages; wiram wenigsten treten zurück vor den Befremdlichkeiten, womit jene Heroenandern den Zutritt erschweren; wir allein verschmähen immer mehr, die ein-fache Würde ihrer Werke verschönern, ihre berühmten Unanständigkeitenmeistern zu wollen. Wer aber bereits so viel von dem göttlichen Anstände da-heim empfand, dem wird der ernsthafte Gedanke schon leichter, in den ganzenKultus der begeisternden Götter einzugehen.
Nur lassen Sie uns nicht weniger verhüten, daß zu diesen Orgien nicht dasbuntgemischte Volk ohne Vorbereitung und Andacht sich dränge, um mitdem Stabe der Begeisterung umherzutaumeln. Bewillkommen wir zwar man-chen gern, der in unsern Kreisen Erheiterung und Labsal sucht nach demErnste strengerer Wissenschaften oder der Dürre bloß erwerbsamer, ebensodenjenigen, der sich als eifrigen Liebhaber alles Schönen ankündigt; magauch mancher der eigentlichen Genossen nicht gerade das Höchste der Wissen-schaft nach den reichsten Gesichtspunkten umfassen und sich mit einem undandern Teile als fleißiger Arbeiter begnügen, immerhin befangen in demWahne, wirklich zu lieben, was er nur als sein Tagwerk treibt: jedoch veredlejeder von allem seine Bemühung und selbst sein Spielzeug durch sinnvolle
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