HULDIGUNG DER DEUTSCHEN WISSENSCHAFT VOR DEN GRIECHEN.
Unser Streben ginge nun dahin, die Teilnahme für das alte Griechentum, so-weit unsere schwache Wirksamkeit reicht, am Leben zu erhalten. Es han-delt sich um keine Verklärung, und die enthusiastische Schönfärberei ge-denken wir nirgends zu schonen. „Die Hellenen waren unglücklicher, alsdie meisten glauben" (Böckh). Aber die große weltgeschichtliche Stellungdes griechischen Geistes zwischen Orient und Okzident muß klargemachtwerden. Was sie taten und litten, das taten und litten sie frei und andersals alle früheren Völker. Sie erscheinen original und spontan und bewußtda, wo bei allen andern ein mehr oder weniger dumpfes Müssen herrscht.Darum erscheinen sie mit ihrem Schaffen und Können wesentlich als dasgeniale Volk auf Erden, mit allen Fehlern und Leiden eines solchen.In allem Geistigen haben sie Grenzen erreicht, hinter welchen die Menschheit,wenigstens in der Anerkennung und Aneignung, nicht mehr zurückbleibendarf, auch wo sie die Griechen im Können nicht mehr erreicht. Daran liegtes, daß überhaupt dies Volk aller Nachwelt sein Studium aufzuerlegen ver-mocht hat. Wer sich dem entziehen will, bleibt einfach zurück.Und nun ihr Wissen und Schauen! Durch ihre Weltkunde beleuchten sieaußer ihrem eigenen Wesen auch das aller andern alten Völker; ohne sie undohne die philhellenisch gewordenen Römer gäbe es überhaupt keine Kundeder Vorzeit, weil alle andern Völker nur auf sich selbst achteten, auf ihreKönigsburgen, Tempel und Götter. Alle seitherige objektive Kenntnisnahmeder Welt spinnt an dem Gewebe weiter, welches die Griechen begonnen haben.Wir sehen mit den Augen der Griechen und sprechen mit ihren Ausdrücken.Nun ist es aber die spezielle Pflicht des Gebildeten, das Bild von der Kon-tinuität der Weltentwicklung in sich so vollständig zu ergänzen als möglich;dies unterscheidet ihn als einen Bewußten vom Barbaren als einem Unbewuß-ten; sowie der Blick auf Vergangenheit und Zukunft überhaupt den Menschenvom Tier unterscheidet, mag auch die Vergangenheit Vorwürfe und die Zu-kunft Sorgen mit sich führen, wovon das Tier nichts weiß.Und so werden wir ewig im Schaffen und Können die Bewunderer und inder Welterkenntnis die Schuldner der Griechen bleiben. Hier sind sie unsnahe, dort groß, fremd und ferne. (Jak. Burckhardt, Griechische Kultur-geschichte, 1898.)
GOETHE ALS SCHÖPFER DER WISSENSCHAFT VON DEN GRIECHEN.
Goethe, der Kenner und Darsteller des griechischen Geistes, empfange wohl-wollend den mit Liebe dargebrachten Anfang einer Sammlung von Schriftenund Aufsätzen, die bestimmt sind, hin und wieder das weite Gebäude vonKenntnissen aufzuklären, in welchen jener das Leben verschönernde Geistursprünglich wohnte.
An wen unter den Deutschen könnte man bei einem Unternehmen solcherArt eher denken als an den, in dessen Werken und Entwürfen, mitten unterabschreckenden modernen Umgebungen, jener wohltätige Geist sich eine
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