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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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größeren Reichtum des Geistes, für mein folgendes Leben einen tieferenErnst der Seele, für meine Studien einen lebendigeren, positiveren Hinter-grund mit nach Hause gebracht. Das Rad des Lebens hat sich dort eintieferes Geleise gehöhlt. (Joh. Jak. Bachofen, Selbstbiographie, BaselerJahrb. 1917).

ROM.

Rom ist der Ort, in dem sich für unsere Ansicht das ganze Altertum ineins zusammenzieht, und was wir also bei den alten Dichtern, bei den altenStaatsverfassungen empfinden, glauben wir in Rom mehr noch als zu emp-finden, selbst anzuschauen. Wie Homer sich nicht mit andern Dichtern, soläßt sich Rom mit keiner andern Stadt, römische Gegend mit keiner andernvergleichen. Es gehört allerdings das meiste von diesem Eindruck uns und nichtdem Gegenstande; aber es ist nicht bloß der empfindende Gedanke zu stehen,wo dieser oder jener große Mann stand, es ist ein gewaltsames Hinreißen ineine von uns nun einmal sei es auch durch eine notwendige Täuschung alsedler und erhabener angesehene Vergangenheit; eine Gewalt, der selbst, werwollte, nicht widerstehen kann, weil die Öde, in der die jetzigen Bewohner dasLand lassen, und die unglaubliche Masse von Trümmern selbst das Auge da-hin führen. Und da nun diese Vergangenheit dem innern Sinne in einer Größeerscheint, die allen Neid ausschließt, an der man sich überglücklich fühlt,nur mit der Phantasie teilzunehmen, ja, an der keine andere Teilnahme nurdenkbar ist, und dann den äußern Sinn zugleich die Lieblichkeit der Formen,die Größe und Einfachheit der Gestalten, der Reichtum der Vegetation, diedoch wieder nicht üppig ist wie in noch südlicheren Gegenden, die Bestimmt-heit der Umrisse in dem klaren Medium und die Schönheit der Farben in durch-gängige Klarheit versetzt: so ist hier der Naturgenuß reiner, von aller Bedürftig-keit entfernter Kunstgenuß. Überall sonst reihen sich Ideen des Kontrastesdaran, und er wird elegisch oder satyrisch. Freilich indes ist es auch nur füruns so. Horaz empfand Tibur moderner als wir Tivoli. Das beweist sein: Be-atus ille qui procul negotiis. Aber es ist auch nur eine Täuschung, wenn wirselbst Bewohner Athens und Roms zu sein wünschten. Nur aus der Ferne, nurvon allem Gemeinen getrennt, nur als vergangen muß das Altertum uns er-scheinen. Es geht damit wie wenigstens mir und einem Freunde mit den Rui-nen: wir haben immer einen Ärger, wenn man eine halb versunkene ausgräbt;es kann höchstens ein Gewinn für die Gelehrsamkeit auf Kosten der Phan-tasie sein. Ich kenne für mich nur noch zwei gleich schreckliche Dinge: wennman die Campagna di Roma anbauen und Rom zu einer polizierten Stadtmachen wollte, in der kein Mensch mehr Messer trüge. Kommt je ein so ordent-licher Papst, was denn die zweiundsiebzig Kardinäle verhüten mögen, so zieheich aus. Nur wenn in Rom eine so göttliche Anarchie und um Rom eine sohimmlische Wüstenei ist, bleibt für die Schatten Platz, deren einer mehr wertist als dies ganze Geschlecht. (Wilh. v. Humboldt an Goethe, 1804.)

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