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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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bilder haben Knochen und Mark. Der Mensch und das Menschliche wurdenam wertesten geachtet und alle seine innern, seine äußern Verhältnisse zurWelt mit so großem Sinne dargestellt als angeschaut. Noch fand sich dasGefühl, die Betrachtung nicht zerstückelt, noch war jene kaum heilbare Tren-nung in der gesunden Menschenkraft nicht vorgegangen.Aber nicht allein das Glück zu genießen, sondern auch das Unglück zu er-tragen, waren jene Naturen höchlich geschickt; denn wie die gesunde Faserdem Übel widerstrebt und bei jedem krankhaften Anfall sich eilig wiederher-stellt: so vermag der jenen eigene gesunde Sinn sich gegen inneren undäußeren Unfall geschwind und leicht wiederherzustellen.Eine solche antike Natur war, insofern man es nur von einem unsrer Zeit-genossen behaupten kann, in Winckelmann wieder erschienen, die gleich an-fangs ihr ungeheures Probestück ablegte, daß sie durch dreißig Jahre Niedrig-keit, Unbehagen und Kummer nicht gebändigt, nicht aus dem Wege gerückt,nicht abgestumpft werden konnte. Sobald er nur zu einer ihm gemäßen Frei-heit gelangte, erscheint er ganz und abgeschlossen, völlig im antiken Sinne.Angewiesen auf Tätigkeit, Genuß und Entbehrung, Freude und Leid, Besitzund Verlust, Erhebung und Erniedrigung, und in solchem seltsamen Wechselimmer mit dem schönen Boden zufrieden, auf dem uns ein so veränderlichesSchicksal heimsucht.

Hatte er nun im Leben einen wirklich altertümlichen Geist, so blieb ihmderselbe auch in seinen Studien getreu. Doch, wenn bei Behandlung der Wissen-schaften im großen und breiten die Alten sich schon in einer gewissen pein-lichen Lage befanden, indem zu Erfassung der mannigfaltigen, außermensch-lichen Gegenstände eine Zerteilung der Kräfte und Fähigkeiten, eine Zer-stückelung der Einheit fast unerläßlich ist, so hat ein Neuerer im ähnlichenFalle ein noch gewagteres Spiel, indem er bei der einzelnen Ausarbeitungdes mannigfaltigen Wißbaren sich zu zerstreuen, in unzusammenhängendenKenntnissen sich zu verlieren in Gefahr kommt, ohne, wie es den Altenglückte, das Unzulängliche durch das Vollständige seiner Persönlichkeit zuvergüten.

So vielfach Winckelmann auch in dem Wißbaren und Wissenswerten herum-schweifte, teils durch Lust und Liebe, teils durch Notwendigkeit geleitet, sokam er doch früher oder später immer zum Altertum, besonders zum grie-chischen zurück, mit dem er sich so nahe verwandt fühlte und mit dem er sichin seinen besten Tagen so glücklich vereinigen sollte. (Joh. Wolfg. Goethe,Winckelmann 1804/5.)

EIN DEUTSCHER IN ROM.

Ja, es hängt an den Mauern Roms etwas, das das Tiefste im Menschen auf-regt. Wenn man eine Metallscheibe schlägt, so tönt das Erz fort, bis die Auf-legung des Fingers den Schwingungen ein Ende macht. So berührt auch Romden mit dem Altertum verkehrenden Geist. Ja, ein Schlag folgt dem andern,bis alle Saiten des Menschen sich rühren und regen und er zuletzt innewird,was alles bisher in ihm schlief. Ich habe aus jenem Aufenthalt in Rom einen

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