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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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schließe nur mit einer Stelle aus Aristoteles' Ethik:Was einem Jeden, seinerNatur nach, eigentümlich ist, ist ihm das Beste und Süßeste. Daher auch denMenschen das Leben nach der Vernunft, wenn nämlich darin am meisten derMensch besteht, am meisten beseligt." (W. v. Humboldt, Ideen zu einem Ver-such, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen, 1792.)

GANG DER BILDUNG EINER NATION.

Es gibt Leute, die sich die Epochen, in denen die Bildung einer Nation fort-schreitet, in einer gar wunderlichen Ordnung vorstellen. Sie bilden sich ein,daß ein Volk zuerst in tierischer Rohheit und Wildheit daniederläge, daßman nach Verlauf einiger Zeit das Bedürfnis einer Sittenverbesserung emp-finden und somit die Wissenschaft von der Tugend aufstellen müsse, daßman, um den Lehren derselben Eingang zu verschaffen, daran denken würde,sie in schönen Beispielen zu versinnlichen und daß somit die Ästhetik er-funden werden würde: daß man nunmehr nach den Vorschriften derselbenschöne Versinnlichungen verfertigen und somit die Kunst selbst ihren Ur-sprung nehmen würde: und daß vermittelst der Kunst endlich das Volk aufdie höchste Stufe menschlicher Kultur hinaufgeführt werden würde. Die-sen Leuten dient zur Nachricht, daß alles, wenigstens bei den Griechen undRömern, in ganz umgekehrter Ordnung erfolgt ist. Diese Völker machten mitder heroischen Epoche, welches ohne Zweifel die höchste ist, die erschwungenwerden kann, den Anfang; als sie in keiner menschlichen und bürgerlichenTugend mehr Helden hatten, dichteten sie welche; als sie keine mehr dichtenkonnten, erfanden sie dafür die Regeln; als sie sich in den Regeln verwirrten,abstrahierten sie die Weltweisheit selbst, und als sie damit fertig waren,wurden sie schlecht. (Heinr. v. Kleist, Berliner Abendblätter, 1810.)

STÄRKUNG AUS ANTIKEM GEISTE.

Ich erbitte mir von Gott für mich, wenn meinem Alter noch prüfende Tagebeschieden sein sollten, und für meine Kinder, die gewiß böse Zeiten erlebenwerden, nur soviel Selbstbeherrschung, Überwindung der Lüste, Mut vor derGefahr, ruhiges Beharren im Bewußtsein eines edeln Entschlusses, dessenAusgang unglücklich war, wie es das atheniensische Volk, als ein Mann ge-nommen (von der Sittlichkeit der einzelnen ist hier die Rede nicht) gezeigthat: und wer als einzelner so ist, und dann nicht mehr sündigt im Verhältnis

als die Athenienser, der mag seinem Stündlein ruhig entgegensehen.--------

Die Väter und Brüder der tausend Bürger, welche bei Chäronea als Freiegefallen waren, die in der Grabschrift freudig bezeugten, daß sie ihrenBeschluß nicht bereuten, die dem Redner, auf dessen Rat die Waffen so un-glücklich versucht und ihre Lieben gefallen waren, eine goldene Krone er-teilten, ohne zu fragen, ob der Sieger darüber grolle: das Volk, welches, daAlexander von Thebens Schutt her die Auslieferung der Patrioten forderte,sie ^verweigerte und ihn lieber vor seinen Mauern erwartete: welches, währenddie Schmeichler und Furchtsamen tagtäglich warnten, nicht zu reizen, Bürger

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