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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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STAATLICHE BILDUNG BEI DEN ALTEN UND DEN NEUEREN.

Die Alten sorgten für die Kraft und Bildung des Menschen als Menschen, dieNeueren für seinen Wohlstand, seine Habe und Erwerbsfähigkeit. Die Altensuchten Tugend, die Neueren Glückseligkeit. Daher waren die Einschränkun-gen der Freiheit in den älteren Staaten auf der einen Seite drückender undgefährlicher. Denn sie griffen geradezu an, was des Menschen eigentümlichesWesen ausmacht, sein inneres Dasein, und daher zeigen alle älteren Nationeneine Einseitigkeit, welche (den Mangel an feinerer Kultur und an allgemeinerKommunikation noch abgerechnet) großenteils durch die fast überall einge-führte gemeinschaftliche Erziehung und das absichtlich eingerichtete gemein-schaftliche Leben der Bürger überhaupt hervorgebracht und genährt wurde.Auf der andern Seite erhielten und erhöhten aber auch alle diese Staatsein-richtungen bei den Alten die tätige Kraft des Menschen. Selbst der Gesichts-punkt, den man nie aus den Augen verlor, kraftvolle und genügsame Bürgerzu bilden, gab dem Geiste und dem Charakter einen höheren Schwung. Da-gegen wird zwar bei uns der Mensch selbst unmittelbar weniger beschränkt,als vielmehr die Dinge um ihn her eine einengende Form erhalten, und esscheint daher möglich, den Kampf gegen diese äußeren Fesseln mit innererKraft zu beginnen. Allein schon die Natur der Freiheitsbeschränkungenunserer Staaten, daß ihre Absicht bei weitem mehr auf das geht, was der Menschbesitzt, als auf das, was er ist, und daß selbst in diesem Fall sie nicht wiedie Alten die physische, intellektuelle und moralische Kraft nur, wenngleicheinseitig, üben, sondern vielmehr ihr bestimmende Ideen als Gesetze auf-dringen, unterdrückt die Energie, welche gleichsam die Quelle jeder tätigenTugend und die notwendige Bedingung zu einer höheren und vielseitigerenAusbildung ist. Wenn also bei den älteren Nationen größere Kraft für die Ein-seitigkeit schadlos hielt, so wird in den neueren der Nachteil der geringerenKraft noch durch Einseitigkeit erhöht. Überhaupt ist dieser Unterschied zwi-schen den Alten und Neueren überall unverkennbar. Wenn in den letztenJahrhunderten die Schnelligkeit der gemachten Fortschritte, die Menge undAusbreitung künstlicher Erfindungen, die Größe der gegründeten Werke ammeisten unsere Aufmerksamkeit an sich zieht, so fesselt uns in dem Altertumvor allem die Größe, welche immer mit dem Leben Eines Menschen dahinist, die Blüte der Phantasie, die Tiefe des Geistes, die Stärke des Willens, dieEinheit des ganzen Wesens, welche allein dem Menschen wahren Wert gibt.Der Mensch, und zwar seine Kraft und seine Bildung war es, welche jedeTätigkeit rege machte: bei uns ist es nur zu oft ein ideelles Ganze, bei dem mandie Individuen beinah zu vergessen scheint, oder wenigstens nicht ihr inneresWesen, sondern ihre Ruhe, ihren Wohlstand, ihre Glückseligkeit. Die Altensuchten ihre Glückseligkeit in der Tugend. Die Neueren sind nur zu langediese aus jener zu entwickeln bemüht gewesen, und der selbst, welcher dieMoralität in ihrer höchsten Reinheit sah und darstellte, glaubt durch eine sehrkünstliche Maschinerie seinem Ideal des Menschen die Glückseligkeit, wahr-lich mehr wie eine fremde Belohnung, als wie sein eigen errungenes Gut,zuführen zu müssen. Ich verliere kein Wort über diese Verschiedenheit. Ich

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