deutet manche erlöschende Spur in den Gebräuchen des Volkes auf vorchrist-liche Festspiele zurück.
Wir haben hiermit auf die Ansichten hingedeutet, welche gelten und le-bendig sein müssen, wenn das Turnwesen tiefer in dem Volke haften, mitseinem Dasein gleichsam verwachsen, den Geist desselben und die edlere Ge-sinnung tragen und den Wechsel der Zeiten und Gewohnheiten unveränder-lich bestehen soll. Was aber das deutsche Altertum von Turnübungen undSpielen, von ihrer Begründung und Sicherstellung nur ahnen läßt, zeigt dasgriechische in hellem Lichte, und die Turnkunst in einer Ausbildung, wie nurJahrhunderte fortgesetzter Bemühungen sie erzeugen konnten, zugleich aberauch in Verhältnissen und Verbindungen, die ihr eine unverwüstliche Dauersichern mußten. Jede Stadt und Gemeinde freier Menschen war mit Turn-schulen oder Gymnasien ausgestattet, welche unter dem Schutze heimatlicherGottheiten als geweihte Bezirke standen und von den Edelsten und Bestender Gemeinde verwaltet und gehütet wurden. In diesen Heiligtümern wardie Erziehung mit gleichgewogener Sorge um die geistige und leibliche Pflegeder aufblühenden Jugend bemüht, und in solcher Kunst und Vortrefflichkeit,daß selbst Plato, dem von bestehenden Dingen wenig genügte, im Wesen dieserErziehung nichts zu ändern fand. Neben den Turnschulen standen die Tem-pel und ladeten die geübte Jugend aller Stämme zu ihren Festen und Turn-spielen ein, nicht etwa hier und dort, nicht nur in Olympia und Pytho oder aufdem Isthmus und zu Nemea, sondern überall, wo irgendeine Gottheit oder einHeros sich besonderen Dienstes erfreute, war bei seinem Feste der ruhmbe-gierigen Jugend vor den Augen der griechischen Götter und Völker ein Schau-platz eröffnet, auf welchem sie die behende, dem Dienste der Freiheit und derHeimat gewidmete Kraft wetteifernd bewähren und Kränze gewinnen konnte,die Glanz und Achtung auf ihr ganzes Leben verbreiteten. Der Knabe, dessenKraft eben erst geweckt war, der Jüngling und der noch jugendliche Manntraten hier, von erfahrenen Kampfrichtern geprüft und geschieden, einanderentgegengestellt zum Wettstreit hervor, und des Siegers Name, besondersbei den großen heiligen Spielen, flog gleichsam durch alle Staaten des großenVaterlandes. Ihn empfingen am Abend nach den Feiern und daheim fest-liche Gelage, seine Tugend erhoben Pindar und Simonides im ehrenden Ge-sänge, seine Gestalt Phidias und Polyklet in bewunderten Werken der bilden-den Kunst. Und faßt man alles zusammen, so hatte jenes Land der Wunderalles erschöpft, was sich irgend zur Pflege und Belohnung des TurnwesensReiches und Großes erfinden und in das Leben einführen ließ. (Friedr. Thiersch,Aus der Zueignung an Jahn zu: Pindarus' Werke, 1819.)
VOM NACKTEN IN DER ANTIKE.
Man kann wohl sagen, daß die Werke der alten griechischen Meister eineFrucht ihrer Gymnasien waren, und daß, wo diese nicht sind, sie schwerlichkann eingeerntet werden. Der erfahrene und geübte Sinn des ganzen Volksam Nackenden, dies ist die Hauptsache, die uns fehlt, nebst dem Arbeiter selbst:
203