fenheit der großen Masse, genährt durch alle Anhänger einer unterdrücktenPartei und geleitet von einem kühnen, tätigen, großen Geiste, zeigt sie desBösen furchtbare Allgewalt, wenn nicht die höhere Kraft des Guten ihm gegen-übertritt. Aber dem Strom des Schlechten stellt einen Damm entgegen Catosaltrömische Tugend. Was Ciceros Klugheit und Beharrlichkeit glücklich vor-bereitet, das führte Catos Seelengröße zur Vollendung. So sind es zwei aus-gezeichnete Persönlichkeiten, die sich im Kampfe gegenüberstehen, und dasBessere siegt, weil die Einsicht ihm zur Seite "steht. Der jugurthinische Kriegläßt einen doppelten Gesichtspunkt zu. Die Volkskraft, teils nach außen hin-gewandt, teils auf das Innere gerichtet, tritt zuerst siegreich des Adels Über-mut entgegen, und wie oft auswärtige Kämpfe die römische Freiheit wesent-lich gefördert, so hat auch dieser Kampf dem Volke ein Haupt gegeben, unterdessen Leitung es das langentbehrte Recht errang. Wie hier das Äußere aufdas Innere wirkte und dieses wieder jenes bedingte, wie durch die Stellung derParteien und einzelner, die an der Spitze standen, das Ganze mehr und mehrdem Ziel entgegeneilt, ist mit bewundernswürdiger Kunst entwickelt, sodaßzuletzt auf kühn erklimmter Höhe Marius'der Held erscheint, gleich einemBilde, das in die Ferne leuchtet, den Aufgang einer neuen Zeit verkündend.Das dritte Werk endlich, die fünf Bücher der Geschichten, wie im Umfangam umfassendsten, in der Form vollendeter als beide, ist auch in der Anlageund im Plane am verwickeltsten und mit der größten Kunst geordnet. Esschilderte die Zerstörung der sullanischen Aristokratie, in ununterbrochenerReihe innerer und äußerer Fehden mühsam erreicht. Wenn nun allerdingsder gewählte Stoff schon eine innere Einheit darbot, so offenbart sich die Kunstdes Schriftstellers darin, die Massen also zu ordnen, daß aus der Mannigfaltig-keit eben jene Einheit wieder hervorgeht und diese selbst wieder mit den aus-gesprochenen Grundsätzen im Einklänge steht. In dieser Beziehung ver-dient vorzügliche Bewunderung die Anlage des Catilina. Nachdem er imEingange die Bestimmungsgründe seines Vorsatzes dargelegt, beginnt ermit der Charakterschilderung des Hauptes der Verschwörung, als von wel-chem die ganze Bewegung ausgegangen. Wie aber jede Persönlichkeit inihrem Streben durch die äußern Verhältnisse gehemmt oder begünstigtwird, so führt ihn dies notwendig auf die Darstellung der Sitten der Zeit,wobei er in großen Zügen den Gegensatz des alten und des neuen Roms zeigt.Daran knüpft sich die Schilderung der Genossen Catilinas und nach einigenRückblicken die Enthüllung des großen Plans. Sofort wird der Blick gerichtetauf die gegenwirkenden Kräfte, Verrat der eigenen Genossen und des KonsulsCicero besonnene Klugheit und Beharrlichkeit. Die Unentschiedenheit desAusgangs, durch der beiderseitigen Führer verborgene Pläne und entgegenwir-kende Bemühungen, erhält die Spannungen der Gemüter und deutet auf dengroßen Kampf, der in der Stadt und in dem Lager langsam naht. Der Ent-scheidung großer Augenblick führt andere Gestalten auf den Schauplatz.Vor allem treten die hervor, die der Bürgerschaft verschiedenes Streben ineigener Persönlichkeit scharf ausgeprägt, Cäsar und Cato, deren hohe Eigen-tümlichkeit in den gehaltenen Reden sich glänzend offenbart. Was zum Lobeund zum Tadel dieser Kunstform der alten Geschichtschreiber ist gesagt
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