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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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wird erst im Staate offenbar, dessen Bestehen also als notwendig für mensch-liche Gesittung angenommen wird. Doch des wahren Staates Bedingnis ist dieFreiheit, wo jede Kraft sich ungehemmt entwickelt und der Geist in ungestörterWirksamkeit sich geltend macht. Dagegen eigenmächtigem Herrschtumfremde Trefflichkeit ein Gegenstand des Schreckens und der Furcht ist. Dochder Freiheit Stütze sind die Sitten. Des Hauses strenge Zucht und unverdrosseneTätigkeit, Frömmigkeit und kühner Mut, ein edles Ehrgefühl und weise Mäßi-gung gründen Bürgereintracht und Gerechtigkeit, welche fester ruht auf un-verdorbenem Rechtsgefühl als auf der Weisheit der Gesetze. Denn keineVerfassung widersteht der Zerstörung wilder Leidenschaften. Wo diese ent-fesselt sind und des Staates Mark durchdringen, da erwacht der Bürgerzwie-tracht Schreckgestalt, und die beste Kraft wird aufgezehrt im innern Kampfe.Denn wo auf große Tätigkeit müßige Ruhe folgt, wo Reichtum und Genüssealler Art die Anstrengung belohnen, da entstehet des Besitzes nie gestillteGier und die eitle Sucht, durch Glanz und Ehre seinesgleichen zu überragen.Da wird untergraben Treue, Gottesfurcht und Biederkeit. Für Geld wirdauch das Höchste feil, und selbst die Freundschaft dient dem Gewinn. DieTugend sinkt im Preis. Das Gemeinwesen, sonst alles Strebens gemeinsamerMittelpunkt, steht einsam und verlassen. Die Selbstsucht herrscht, und jedersorgt für das eigne Wohl; im Parteikampf geht das Vaterland verloren."Bei solcher Klarheit und Bestimmtheit des Bewußtseins von der Staaten eigent-licher Lebenskraft ist Hinneigen zu Parteiansichten undenkbar, wie denn auchSallustius zwar treffender als irgendeiner die tiefe Entartung des Geschlechter-regiments geschildert und allein der Gracchen edles Streben richtig gewür-digt hat, ohne jedoch der damaligen Volksführer schnöden Eigennutz undargen Trug zu verhüllen.

Diese Grundsätze, zur Rechtfertigung des gewählten Berufes und zur Ab-wehr schiefer Beurteilung an die Spitze gestellt, bilden den Kern sallustischerStaatsweisheit. Sie durchströmen gleich den Adern das Ganze und geben derDarstellung Licht, Farbe und Leben. Aber weit bewundernswürdiger ist erdadurch, daß er die verschiedenartigsten Charaktere nach ihrer Eigentüm-lichkeit aufgefaßt, bis in die geheimsten Tiefen ihres Innern gedrungen und sodas verborgene Leben des Geistes selber zur Anschauung gebracht hat. Durchklare und bestimmte Ansicht des Lebens überall auf das Wesen hingeführtund nicht verwirrt durch zufälliges Außenwerk der Ereignisse, stellt er dasGewebe mannigfach ineinander verflochtener Handlungen als die unbedingtnotwendigen Ergebnisse der bezeichneten Persönlichkeiten und Verhältnissedar, sodaß die Darstellung einer unmittelbaren Anschauung ähnlichen Ein-druck in der Seele des Zuhörers zurückläßt. Denn die vollkommene Enthül-lung der Wahrheit wird nur möglich durch die Mitwirkung der Kunst. Schwer-lich ist diese von irgendeinem Geschichtschreiber mit mehr Bewußtheit undallgemeiner angewendet worden als von Sallust. Schon die Wahl der Gegen-stände beurkundet den vollendeten Meister der Kunst.

Die catilinarische Verschwörung, die des aufstrebenden Jünglings Seele mitSchrecken und Staunen erfüllte, ist das treueste Bild des damaligen Roms,in feindseliger Kräfte gährendem Kampfe. Begründet durch die tiefe Verwor-

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