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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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zu irren. Bei ihm wird man vorzüglich den Staatsmann bewundern, in Hero-dotus den guten, aufgeklärten Mann lieben. (Joh. v. Müller, VierundzwanzigBücher allgem. Geschichten, 1797.)

CÄSAR.

Cäsars Kommentare sind Muster majestätischer Einfalt in der Geschichts-erzählung. In jedem Wort, in jeder Auslassung ist Absicht; mit unend-licher Kunst stellt Cäsar dieses ins Licht und geht über jenes hinweg. An-statt in ihm ein Modell unparteiischer Geschichtschreibung zu finden, lerntman Cäsar kennen; in jedem Epithet, in jeder Wendung leuchtet mit seinemGeist und Plan e r hervor. (Joh. v. Müller, Vierundzwanzig Bücher allgem.Geschichten, 1797.)

CÄSAR.

Cäsars Schriften wollen wirken, nur wirkend konnte er denken. Sie werdendadurch nicht fragwürdig, wie man romantisch empfindsam aber altklugwarnt, sondern wahrer. Die Zwecke des echten Täters sind Ausdruck undnicht nur Gegenstand des Willens. Wie ein Cäsar oder Napoleon erscheinenwill, so sieht er sich, und was ihr Wort und Wink zeigt, das ist nicht Lug undPose, sondern ihre Wirkungsform selber, wie des echten Dichters Stil keinSchmuckmittel sondern Seelenwuchs. Kleinen Schwindel übt kein großerMann. Auch wo er Tatsachen preßt, waltet der werkträchtige Wille, der nursieht, was ihm entspricht, nicht der nutzsüchtige Verstand, der es heimlichbesser weiß. Beides wird oft verwechselt, indem man die Pragmatik des Lebensals Utilität des Verstandes auslegt. Bewußtsein und Trieb sind in solchen Natu-ren nur zwei Formen des einen Willens, den sie besitzen und der sie besitzt.Schon der Stil der Kommentarien gibt den Cäsar, wie er sich meinte. Sach-liche Kunst und persönliche Natur sind hier eines, das sprechende Ich ist seinausgesprochenes Selbst ohne pathetische Erlebnisse oder artistische Kennt-nisse, ein reines Geistgewächs von der Dürre der Schulbücher unterschiedendurch den bewußten Genius der Sache, die hier zu Wort kommt, von derSchlichtheit eines Herodot durch die männliche Willenshelle, von der ho-merischen Einfalt durch das Selbstgefühl der Person. Unter allen Naiven hatnoch keiner so bewußt als Genius, unter allen Genies keines mehr so epischsimpel geschrieben. Die es später versucht oder fast erreicht haben Mac-chiavelli, Friedrich, Napoleon kannten schon den Cäsar als Stilmusterund die Schlichtheit als Stilmittel. Cäsar wollte nicht schlicht schreiben ausGeschmack, Einsicht oder Wahl er konnte nicht anders. Es war seine Artdes Atmens, Gehens und Sehens. Wenn seine verlorenen Reden prachtvollerwaren als seine Berichte, so muß auch ihre Pracht mehr die gepflegte Formangeborener Hoheit gewesen sein als Faltenwurf und Pomp.Wie sein Stil zugleich Gesamtstil des Römertums ist und persönlicher Stildes Genius, so auch das Bild seiner Taten. Er sieht sich als den römischenFeldherrn, eins mit dem Volke, dessen Eifer Vergil in dem berühmten Versformuliert:

Tu regere imperio populos, Romane, memento.

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