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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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die ihn belebt, entsprang daher jener Stil Griechenlands, der von der heiternDenkart dieses Volkes zeugt. An ihm bildete Herodot dem Vortrage undPerioden nach seine Geschichte: nach ihm formte sich ein System der Götter-lehre, der Kunst und Weisheit. (Joh. Gottfr. Herder, Homer und Ossian, 1795.)

DIE RÖMISCHE SPRACHE.

Die Römer hatten keine selbständige Musikübung. Immerhin scheint ge-boten, die Bedeutung dieses Fehlens geistig schärfer zu erfassen, da, soweitwir sehen, der abscheuliche Gemeinplatz von der Nüchternheit der Römer,die ihren Mangel an Musik verursacht haben soll, noch immer gern betretenwird. Bis in die späte Kaiserzeit waren die besonders von Augustus wiederaufgenommenen urrömischen Kultbegehungen im Schwange. Das magischeGegeneinander schwebender Rätselklänge und waffenklirrender Tanzstöße, wiebei den Riten der Saliaren, trägt ganz das Gepräge der vorhomerischen Artund drückt offenbar den eigensten, auch vom Griechen unbeeinflußten Kerndes römischen Wesens aus. Noch in der Prosa bei Cäsar, Sallust, Tacitusjede in ihrer Art sowohl luftleicht wie stahlhart, die im Gegensatz zurDichtung und Redekunst aus der vorgriechischen Schicht des römischenWortes, eben aus Zauber und Rechtsformeln ihre Gesetze zieht, hat sich jenerUrklang für die Ewigkeit verfangen und muß freilich durch die geschwätzigeGewöhnung der lateinischen Nutzprosa von anderthalb Jahrtausenden hindurchwieder herausgehört werden. Da kein Volk eine doppelte Sprache haben kann,folgt aus dieser Sprachmagie der größten Römer, daß ihre Dichtung im inner-sten Wesen auch magisch, nicht homerisch-gestalthaft gewesen sein muß.Dies bestätigt sich jedem tieferen Eindringen in die Wunderwerke des la-teinischen Dichtergenius. Denn die übernommenen griechischen Geistformensind für sie ja nicht dasselbe wie für ihre Erzeuger, keine aus allmenschlicherLebenseinheit gehobenen Eigengesetze, sondern Mittel in der Hand eines ganzanderen geistigen Willens. Wer nicht der Torheit verfällt, die römischeDichtung für Nachahmung der griechischen zu erklären, weil in der Tat dieStoffe und Formen nachgeahmt sind, muß erkennen, daß diese für den Römerstolz und frei hingenommenen Anlässe zur Betätigung ihrer ungeheuren männ-lichen Wirkungskraft sind. Diese Wirkungskraft ist aber die Form ihresZaubers. Die Römer unterscheiden sich von allen anderen magischen Völ-kern dadurch, daß ihr Zauber nicht von reinen Priestern durch Geheimwissen,Opfer und Beschwörung verwaltet wurde. Ihre Priester sind Männer, ihreMagie ist die Bezwingung der Mächte durch die eiserne Selbstzucht des männ-lichsten Wesens. Die Formen sind die aller Völker mit eigenen Religionen,werden aber mit einer alle übertreffenden Zucht bewahrt und ausgeführt.Das Imperium Romanum ist nichts als die im Laufe der Zeit allmählich ge-reifte Frucht aus diesem Samen des männlichen Zaubers. Das Schicksal derRömer war, die Griechen in ihr Imperium einzubeziehen und die griechischenGötter, als deren Reigenführer Apollo schon unter den Königen nach Romgekommen war, mit ihren eigenen zu vereinen. So nahmen sie das volle Lichtdes griechischen Menschentums in ihren Zauber auf und bildeten auch ihre

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