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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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Sprache nach den Gesetzen des griechischen Zeitraums. Jedes römische Ge-dicht höheren Ranges ist also nicht wie sein meist vorhandenes griechischesVorbild eine Frucht lichtvoller Gestaltung, sondern die Bezwingung einesweiblich-unbotmäßigen Lebensstoffes durch den geistig gerüsteten männ-lichen Wirkungszauber. Das wichtigste Mittel war da naturgemäß der männ-liche Rhythmus, während das weibliche Melos vielleicht gelegentlich mit-tönte, aber da es kein Mittel männlicher Wirkung sein kann, ohne jede Be-deutung blieb. (Erich Wolff und Karl Petersen, Das Schicksal der Musik, 1923.)

SALLUSTS SPRACHE UND FORM.

Ein hoher und erhabener Geist weht in dieser Form und bezaubert Herz undSinn, und wie der Anblick eines Tempels im edlen Stil die Seele mit Staunenfüllt, so durchdringt Bewunderung ob solch erhabener Größe das Gemüt.Nicht mit eitlem Tand und fremdem Flitter hat er die Rede aufgeputzt: echtrömisch, schroff, rauh, gedrängt ist seine Sprache, ein Bild der Sitten alterZeit. Alles ausgearbeitet bis in die kleinsten Teile, nirgends Müßiges, lauterKern und Mark. So genau entsprechen sich Form und Gedanke, daß beideunabtrennbar gegenseitig sich erläutern. Das ist die vielgerühmte Kürze, daßunnützes Beiwerk überall entfernt, die Gedanken in strenger, herber Form,nackt und unverhüllt dem Blick entgegentreten, in rascher Folge aufeinander-drängen und das Gemüt in ständiger Spannung halten. Xenophons schmei-chelnde Süßigkeit und Ciceros glanzvoller Redestrom sind gleich fern sallu-stianischem Geiste. Kraftvoll, körnigt, scharf, bestimmt ist seine Rede, erschmeichelt nicht, aber er ergreift und durchdringt die Seele. Und dennoch,welcher Zauber der Phantasie in seiner Sprache! Oder um der Reden nichtzu gedenken, die wie im Spiegel die Persönlichkeiten im vollsten Leben zeigen:wer hat meisterhafter Schlachten, Belagerungen, Gegenden geschildert? DieBilder vor der Seele drängen sich in raschem Wechsel, wie vor dem Auge dieErscheinung. Überall atmet Leben und Bewegung, anschaulich stellt sichalles dar. Es ist die Tiefe und Bestimmtheit der Erkenntnis, die das Wesenüberall erfaßt: und das so Erkannte schafft sich selbst die rechte Form.(Franz Doroth. Gerlach, Historische Studien, 1841.)

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