gewiß verloren. Xenophon, der Fremdsprechende; Agesilaus, der Volksführer;Perikles, der Weltberühmte; Aspasia, die Freundliche; Philippus, der Pferde-freund; Sokrates, der Festherrschende; Diogenes, der Gottgeborene; Hippo-krates, der Pferdebändiger; Terpander, der Menschenerquicker; Aristides, desBesten Sohn; Themistokles, der durchs Recht Berühmte; Demosthenes, dieVolkskraft; Pausanias, der Schmerzenstiller; Alkibiades, der Gewaltherrscher;Alexander, der Menschenretter, und so die meisten übrigen. Keine andereSprache hat hierin so viel Bedeutsamkeit. (Joh. Gottfr. Seume, Apokryphen,1806/7.)
LEBENDIGE REDE.
Bei einem Stamme, der sich zur schönsten geistigen Individualität erhobenhatte, in der Blütezeit des hellenischen Altertums, offenbarte sich am kräf-tigsten der Unterschied zwischen Wort und Schrift. Nicht die Schwierigkeitdes Ideenverkehrs allein, nicht die Entbehrung einer deutschen Kunst, ge-boten damals den Freunden der Philosophie und Naturkunde, Hellas oder diedorischen und jonischen Kolonien in Großgriechenland und Kleinasien zudurchwandern. Das alte Geschlecht kannte den Wert des lebendigen Wortes,den begeisternden Einfluß, welchen durch ihre Nähe hohe Meisterschaft aus-übt, und die aufhellende Macht des Gesprächs, wenn es unvorbereitet, freiund schonend zugleich das Gewebe wissenschaftlicher Meinungen und Zweifeldurchläuft. (A.V.Humboldt, Rede, 1828.)
SPRECHEN UND SINGEN.
Lange Zeit war bei den Alten Singen und Sprechen (aubqtv äeibeiv, unddas nachgebildete Wort canere) einerlei. Orakel sangen, und die Stimmen,die der Gott sang, hießen Aussprüche (cpaxa); die Gesetze sangen und hießenLieder (vouoi); die Weissager, die Dichter sangen, und was sie sangen, hießenReden (£tt€ci); Homers Helden sprechen lauter geflügelte Worte (£ireaKTepoevTa), und seine Volksältesten sind „Heuschrecken gleich, die auf denBäumen im Walde sitzen und angenehmen Laut geben". Man sprach im ge-meinen Leben (und ein anderes gab es noch nicht) die Worte in höheremTon, daß man nicht bloß lange und kurze Akzente, sondern auch hohe undniedere Silben deutlicher hören ließ. Der Rhythmus der Sprache war hellerund in solchen rhythmischen Falltönen fiel natürlich die Sprache auseinander;in Verbindungen ungefesselt bekam sie einförmige Kadenzen. (Joh. Gottfr.Herder, Fragmente zur deutschen Literatur, 1768.)
DER HEXAMETER HOMERS.
Homers Hexameter schreitet ein- und vielförmig dahin, ohne alle Teilnehmung,als die ihm der Inhalt auflegt. An diesem gleichgehaltenen Hexameter haftetgleichsam die ganze Kunst Homers; in ihm trägt er alle Leidenschaften vor,in ihm schildert er alle Gegenstände und Situationen am Himmel, auf Erdenund im Orkus; mit ihm misset er Götter, Helden und Menschen gleichförmig.Aus dem gleichförmigen Hexameter Homers und aus der ruhigen Weisheit,
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