den Standort an der Mitte eines Hügels; in das erste Treffen stellte er vier alteLegionen, höher in zwei Treffen zwei neugeworbene Legionen und alle Hilfs-völker. In dieser Schlacht verließ er sich weder auf die Tapferkeit noch aufdie Treue der Gallier, sondern stellte die geübteste römische Kriegskunst denHelvetiern entgegen. Sie, nachdem sie den Troß in eine Wagenburg verschlos-sen, machten eine sehr enge und feste Schlachtordnung von großer Tiefe,warfen sich mächtig auf den Feind, schlugen die Reiter und waren an demHeerhaufen. Als Cäsar dieses sah, erinnerte er mit kurzen Worten an Rom,an Pflicht, Ruhm und Rache, sprang vom Pferde, gebot allen das gleiche,rief aus: „Die Pferde zum Nachjagen!" Und gab das Zeichen der Schlacht.Erstlich warfen die Römer ihre Spieße: diese Waffe, sieben Schuh lang, fuhrmit großer Gewalt von der Höhe in des Feindes enge Linien durch mehr als einenSchild, an diesen brach der hölzerne Hake unweit seiner scharfen Spitze, wo-durch das gekrümmte Eisen sich an den Schild festklammerte, sodaß derschwere Spieß herunterhing. Marius hatte dies in der kimbrischen Schlachteingeführt. Als viele Helvetier fielen, viele sich vergeblich bemühten, denSpieß vom Schilde loszumachen, andere Schild und Spieß von sich warfen,fiel das Treffen Cäsars, ehe die Linien ersetzt waren, die Schwerter in der Hand,in die gebrochene Ordnung herab. Die Helvetier konnten weder ihn überflü-geln, da er den Hügel gänzlich besetzt, noch sein erstes Treffen umgehen, dadie andern von oben alles beobachten und herabstürzen konnten: daher such-ten sie eine vorteilhaftere Stellung, dem Feind aber die seine zu nehmen. Siezogen sich zurück an einen Berg, von dieser Walstatt tausend Schritte. Cä-sar folgte mit aller Macht. Die Tulinger und Bojen, welche, fünfzehntausendMann stark, den helvetischen Zug bedeckten, fielen ihm in die entblößte Seite,auch wurde er vom Berge herab durch die Helvetier angefallen. Dem wut-vollen Stoß dieser Menge, welche kein Vaterland hatte, als diese Walstatt,auf der sie vor den Augen der Ihrigen für alles, was Menschen lieb ist, undfür den alten Ruhm des Namens der Helvetier mit äußerstem Heldenmutstritt, einem solchen Feind stellte Cäsar die beiden vorderen Treffen entgegen;dem hintersten gebot er, durch eine schnelle Wendung wider die Bojer Frontzu machen. Lang und hart war der Kampf: die Helvetier in dieser äußerstenGefahr blieben ihrer Voreltern würdig; den ganzen Tag hat kein Römer voneinem aus ihnen den Rücken gesehen. Auf der anderen Seite stritt JuliusCäsar mit jenem Gemüt, welchem die Eroberung des römischen Reiches nichtzu groß war, und mit jenem Blick der ihn in keiner Not über den Entschlußungewiß ließ, als an dem ersten Tag, der ihn den großen Feldherrn an dieSeite setzen sollte. Seine beiden Treffen waren ineinander gerückt; auch sonsthatte seit Marius durch die Verwandlung der Centurien in Kohorten die Legioneine nachdrücklichere Ordonnanz: die Soldaten wurden durch den Wider-stand, am allermeisten durch das Beispiel ihres Cäsars und durch ihre Liebezu ihm begeistert. Spät am Abend wichen die Helvetier nach großem Ver-lust in guter Ordnung teils auf den Berg, teils, zum Schutz der Ihrigen, in dieWagenburg.
Cäsar wollte den Sieg nicht unvollendet lassen, sondern führte einen Teilseines Heeres wider die Wagenburg, er erwartete, daß nach Gefangennehmung
13 Wolters, Der Deutsehe. I. jgj