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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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der Weiber und Kinder das helvetische Heer sich ergeben würde, und wegender verwirrenden Menge schien der Feind hier schwach. Das helvetische Volkohne Unterschied des Geschlechts und Alters, würdig der Väter und Gatten,welche auf dem Schlachfelde umgekommen, stritt bis mitten in die Nacht vonder Wagenburg herab, und schoß durch dieselbe hinaus; die meisten sind hiergeblieben, denn als nach langem Kampf die römische Macht hereinbrach,verdroß die meisten Greise, Weiber und Kinder, den letzten Tag der Freiheitund ihres Ruhms zu überleben. Ein Sohn des Orgetorix und seine Schwesterwurden gefangen. Viele tausend Mütter und unmündige Kinder, welchen dasUnglück übermenschliche Kraft gab, eilten auf den Berg zu dem Heer. Dadenn alle mit großem Wehklagen aufgebrochen und die ganze Nacht hindurchund vier Tage und Nächte in größter Angst und Bestürzung durch viele galli-sche Landschaften bis zu den Lingonen gezogen. Die Römer heilten die Ver-wundeten und begruben die Toten; am dritten Tage brach Cäsar auf; den Lin-gonen ließ er sagen, wenn sie die Helvetier aufnähmen, so sei er ihr Feind.Die Helvetier, welche ein einziger Tag um die Blüte ihrer Krieger, um all ihrGut, ihre Weiber und Kinder und um alles Ansehen gebracht, und welche nacheinem langen Zug in Betrübnis, Angst und Furcht ohne Brot waren, schicktenihre Vornehmsten an den Überwinder. Er begegnete ihnen an der Spitze seinesHeers; die Gesandten fielen zur Erde und baten weinend um Friede und Mit-leiden. Cäsar sprach, die Helvetier sollen seine Ankunft erwarten. Als er zuihnen kam, befahl er, die entlaufenen Knechte, ihre Geiseln und alle Waffenzu liefern. Sie erschraken sehr; was ist ein Volk ohne Waffen! Bei anbre-chender Nacht entflohen sechstausend Menschen aus dem Gau der Verbi-gener nach dem Rheinstrom hin, die gallischen Völker brachten sie zurück;Cäsar drohte: hierauf wurden die Verbigener niedergemacht; er konnte nichtleiden, daß er betrogen würde. Da erfüllten alle Helvetier, Tulinger und Lato-brigen, hundertundzehntausend an Zahl, seine Forderungen; in großer Be-sorgnis, die entwaffnete Menge werde umringt und ausgerottet werden. Indieser Furcht erschienen sie vor dem Überwinder.

Da sprach Cäsar: ,,Sie sollen ruhig nach ihrem Vaterlande ziehen und ihreStädte und Flecken wieder aufbauen; er wolle den Allobrogen befehlen, siemit Lebensmitteln zu versehen; sie sollen sich vor niemand fürchten, dasrömische Volk mache die Helvetier zu Bundesgenossen und wolle sie be-schirmen; keiner soll römischer Bürger werden, sondern die Obrigkeiten sollendas Land nach ihren Gesetzen wohl regieren". Sie zogen heim. Die Pässe durchGenf und in den Jura verwahrte Cäsar durch die julische Ritterkolonie, wel-che er zu Noriodunum an dem Lemanischen See stiftete. Gegen Deutschlandschirmte die Helvetier der Name Roms; sie bewahrten für Italien den Zugangder Alpen. Cäsars Güte, als er noch nicht Herr der Welt, war die löblichste Klug-heit, nachmals die schönste Eigenschaft seiner großen Seele. (Johannesvon Müller, Geschichte schweizerischer Eidgenossenschaft, 1786/1808.)

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