vollständig. So entstand eine unbeschreibliche Verwirrung, die flüchtigenSöldner, die sich verraten glaubten, hieben auf das Bürgeraufgebot ein, Söld-ner, Karthager, Römer fochten wild durcheinander. Hannibal ließ seine Vete-ranen die Speere fällen, um die Flüchtigen abzuwehren und die volle Ordnungzu wahren. Als das Morden zu Ende ging, sammelte Scipio die beiden erstenrömischen Treffen auf die Flügel der Triarier, und bis Laelius und Massinissamit ihren Reitern von der Verfolgung zurückkehrten und den Feinden in denRücken fielen. So ereilte Hannibal das Schicksal, das er vierzehn Jahrevorher bei Cannä den Römern bereitet hatte. Das karthagische Heer war ver-nichtet, über 20 ooo gefallen, etwa eben soviele gefangen; nur von wenigenReitern begleitet, rettete sich Hannibal durch Flucht nach Hadrumetum. Daßauch der römische Verlust über 1500 Mann betrug, beweist, wie schwer dasRingen gewesen war; denn in der Regel ist in den Schlachten des Altertumsinfolge der tiefen Aufstellung und der geringen Ausdehnung der Kämpfer-front der Verlust der Sieger nur sehr gering. (Eduard Meyer, in: Meister derPolitik, 1923.)
DER BÜRGERKRIEG.
Der alte Zwiespalt, welcher, mit dem Ständekampf um Gleichberechtigungbeginnend, im Verlauf der Jahrhunderte so manche Formen angenommenund sich durch Hineinziehen der sozialen Fragen und Beteiligung des mili-tärischen Elements unter gelegentlichem Rollenwechsel in blutigen Fehdeninnerhalb wie außerhalb der Stadt und des Bürgerkreises fortgeschleppt hatte,wurde nun zu einem Zweikampf, welcher Rom ärgeren Greueln preisgab alses je erlebt hatte. Die beiden Männer, in denen die Parteien, die eine so re-volutionär wie die andere, sich verkörperten, waren Cajus Marius und LuciusCornelius Sulla. Der eine war eines Tagelöhners Sohn aus einem Dorfe beiArpinium, roh und ungebildet, aber ein tüchtiger Kriegsmann und als solcheremporgekommen, bis er im Jahre 647 selbst zum Konsulat gelangte, ungeach-tet des Widerstandes der Optimaten, welche diese Würde unter den Ihrigenvon Hand zu Hand gehen ließen. Der andere war der Sprößling eines der vor-nehmsten patrizischen Geschlechter, geistvoll und unterrichtet, ein raffi-nierter Lebemann, aber vor keiner Mühe zurückschreckend, freigebig und be-redt, im Felde glücklich, obgleich er das Kriegswesen verhältnismäßig späterlernt hatte. Sie waren Nebenbuhler schon von dem jugurthinischen, vondem kimbrischen, mehr noch von dem Bundesgenossen-Kriege her, in wel-chem Sulla mehr denn irgendeiner geleistet hatte, jener ein Siebzigjähriger,dieser noch im kräftigsten Mannesalter; zwei in allem außer in der Tapfer-keit voneinander grundverschiedene Naturen. Noch währte der italische Krieg,als König Mithridates von Pontus, wenn nicht seiner Gesinnung nach dochdurch seine außerordentliche Energie und Tätigkeit das Widerspiel der mei-sten asiatischen Herrscher, gereizt durch jene Politik, in welcher Rom dieschlimmen Eigenschaften der Asiaten gegen sie selber zu überbieten gewohntwar, Kleinasien überzog, wobei alle dort anwesenden Römer und Italiker alsOpfer des Volkshasses fielen, nach Griechenland übersetzte, es fast ganz er-
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