Den Römern ist diese Gunst des Schicksals nicht zuteil geworden. So'wie diefrüheste Geschichte derselben eine Zeit fast ununterbrochenen Kampfes warund ihre Freiheit nur unter den heftigsten inneren und äußeren Stürmen er-rungen ward, so sollte auch ihre Stellung in der Weltgeschichte durch einefurchtbare Erschütterung bezeichnet werden, aus welcher das Volk, anfangsdem Untergange nahegebracht, endlich siegreich sich erhob, um sofort imweiten Abend- und Morgenland als Gebieter aufzutreten. Der Staat in reichermannigfaltiger Entwicklung schien fortan durch jeden Kampf und jede Gefahran innerer Stärke zu gewinnen, bis er, zum Ungeheuern Riesen emporgewach-sen, allein des Schicksals Wage in seinen Händen trug. Diese reiche Zukunft,welche Rom zur Vermittlerin der alten und der neuen Welt erhoben, sie be-ruhte zunächst auf der Entscheidung des blutigen Kampfes mit Karthago.Das römische Volk, als Haupt Italiens anerkannt, nachdem es die make-donische Taktik in Pyrrhus überwunden, nachdem es auf dem ihm fremdenElement die Karthager gedemütigt, nachdem es den Erbfeind des römischenNamens, die Gallier, in den eigenen Wohnsitzen bedroht und teilweise unter-worfen, stand stolz und drohend unter den Völkern des Abendlandes, gehobendurch das Gefühl eigentümlicher Kraft und durch das Andenken an die Tatenseiner Väter. Aber die Nebenbuhler seiner Macht, die Karthager, wenn auchim ersten Kampfe unterlegen und aus langjährigem Besitz im Mittelmeerverdrängt, hatten weder das Bewußtsein ihrer Macht, noch den Gedanken auf-gegeben, dieselbe zu behaupten. Die Ausbreitung ihrer Herrschaft an derspanischen Küste und Bündnisse mit den Völkern im Inneren boten reichenErsatz für das Verlorene. Die neuentdeckten Reichtümer dieses Landesströmten in den Schatz der Sieger, während die kriegerischen Bewohner unterden Fahnen karthagischer Feldherren für die Herrschaft ihrer Unterdrückerund gegen ihre Stammesgenossen kämpften. Im Vertrauen auf diese neuenHilfsquellen seines Vaterlandes, im Bewußtsein angestammter Geistesgrößeund von glühendem Hasse gegen Rom erfüllt, konnte Hannibal den großenGedanken fassen, Rom in Italien selber zu bekämpfen und von Spanien ausden Krieg ins Herz von Latium zu tragen. Also erhob er das sieggewohnteBanner von den rauchenden Trümmern von Sagunt, um es auf den Zinnen desKapitoliums aufzupflanzen. Alle Hindernisse, die der mühselige Zug durch kaumbekannte Länder und kriegerische Völker, die Wildheit des pyrenäischen Wald-gebirges und der Schrecken der mit ewigem Schnee und Eis bedeckten Alpen,endlich die bunte Mischung des eigenen Heeres ihm entgegenstellten, über-wand sein erfinderischer Geist, und nach vier Monden stand das karthagischeHeer in den fruchtbaren Gefilden am Po, dort die äußersten Bollwerke derrömischen Macht, die neuen Niederlassungen im gallischen Gebiet bedrohend.Umsonst ward jetzt von den Römern alles aufgeboten, dem raschen Vordringendes Feindes ein Ziel zu setzen. Mochten die trutzigen Männer sich mutig indas Gewühl der Schlachten stürzen, mochten sie selber im Tode unbesiegtmit ihren Leibern die Walstatt decken, mochten immer neue Scharen an dieStelle der Erschlagenen treten, die zahllosen Tausende bluteten umsonst inden heißen Schlachten am Tessin, der Trebia, dem trasimenischen See, beiCannä. Es brach sich der wilde Ungestüm der freiheitsstolzen Männer an
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