Druckschrift 
1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

dieser, als sei er der König, hinsprengend da neuen Schrecken, dort neuenMut erweckte, stellte er sich selbst an die Spitze der Phalangen. Ihre Riesen-wucht stürzte sich auf den Feind, aber die Kohorten ertrugen sie; nun stürmtensie heran, aber an den geschlossenen Phalangen prallten diese zurück. Wäh-rend so siebenmal abwechselnd vorgedrungen und wieder gewichen wurde,war Megakles das Ziel immer neuer Geschosse, endlich zum Tod getroffen,seiner Königsrüstung beraubt; jubelnd ward sie in den römischen Reihen um-hergetragen: Pyrrhos sei gefallen. Den lähmenden Schrecken bei den Seinenhatte der König, sein Antlitz entblößend, da und dort umhersprengend, ein-zelne ansprechend, kaum gelöst, als die römische Reiterei sich in Bewegungsetzte, einem neuen Angriff der Legionen Nachdruck zu geben. Jetzt endlichließ Pyrrhos die Elefanten vortreiben; vor dem Anblick, der Wut, dem Getösder nie gesehenen Ungeheuer floh Roß und Mann mit wildem Entsetzen; diethessalischen Reiter stürzten sich nach, die Schmach des ersten Gefechtes zurächen, die Flucht der römischen Reiter riß auch die Legionen mit fort, einungeheures Gemetzel begann; vielleicht wäre niemand entkommen, wennnicht eins der Tiere verwundet sich rückwärts gewandt, mit seinem Geheuldie übrigen verstört, so die weitere Verfolgung unrätlich gemacht hätte.Lävinus hatte die entschiedenste Niederlage erlitten; er mußte sein Lager preis-geben, die Reste seines versprengten Heeres flüchteten nach Apulien; dortkonnte die große römische Kolonie Venusia dem geschlagenen Heer Sicherunggeben, die Vereinigung mit dem Heere des Aemilius in Samnium möglich ma-chen; für jetzt mußte er zufrieden sein, eine Position zu erreichen, die imNotfall verteidigt werden konnte.

Pyrrhos hatte einen Sieg gewonnen, aber mit welcher Anstrengung, mit wel-chen Opfern; die besten seiner Kriegsleute, bei 3000 Mann, seine tüchtigstenBefehlshaber waren gefallen; er konnte von diesem Siege zu den Glückwün-schenden sagen:Noch einen, und ich kehre allein nach Epeiros zurück."Wie furchtbar der Name der Römer unter den Italikern sein mochte, in dieserSchlacht hatte der König die ganze eiserne Kraft ihrer Heeresordnung undihrer Disziplin erkannt; als er Tags darauf den Walplatz besuchte und dieReihen der Gefallenen übersah, fand er keinen Römer, der abgewandt gefallenwäre.Mit solchen Soldaten", rief er,wäre die Welt mein, und sie gehörteden Römern, wenn ich ihr Feldherr wäre." Wahrlich, es war ein andres Volkals irgendeins im Osten, ein andrer Mut als der der griechischen Mietlinge,der hochfahrenden Makedonen. Als er den Gefangenen nach dem Brauch dermakedonischen Kriegsmächte antrug, in seinen Sold zu treten, nahm es keineran; er ehrte sie, ließ sie ohne Fesseln. Er befahl die gefallenen Römer mit allenEhren zu bestatten; auf 7000 wird ihre Zahl angegeben. (Joh. Gust. Droysen,Geschichte des Hellenismus, III., 1877).

DIE RÖMER IN DER KARTHAGISCHEN BEDRÄNGNIS.

Man hat wohl sonst das Los der Staaten gepriesen, welche ohne tätigeTeilnahme an den Ereignissen, die im Völkerleben die Entscheidung geben,fast unbemerkt und unbeachtet die Jahrhunderte an sich vorüber rollen sehen.

173