Druckschrift 
1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

brach. Luft und Meer wurden gegen Mittag unruhiger, die Bedrängnis derFeinde wuchs; in drei Linien aufgestellt, hatten ihre schwerfälligen Fahrzeugekeine freie Bewegung; die Beschädigten konnten nicht zurück, um die anderenvorzulassen. Dazu kam, daß die verschiedenen Flottenmannschaften gegen-einander in eifersüchtiger Spannung waren; die Phönizier klagten die Jonierdes Verrats an; die einen überrannten die anderen, um sich selbst zu retten.Die Angst der Asiaten war um so größer, da sie im Wasser ihr unvermeid-liches Grab vor sich sahen, während den Griechen ihre Gewandtheit im Nah-kampfe, im Springen und Schwimmen um so mehr zugute kam, je größerdas Gedränge wurde. Ariabignes, der Admiral, des Königs Bruder, und anderehervorragende Männer fielen im Kampfe; die Flotte verlor den Zusammenhang,und die Schiffe fingen an, um sich dem allgemeinen Untergange zu entziehen,nach dem Phaleron hin zurückzuweichen. Der Westwind kam ihnen dabeizugute; aber auch auf dem Rückzuge erwartete sie neues Verderben. Dennwährend die Athener den Fliehenden folgten, kreuzte draußen ein Geschwa-der von Ägineten, welche sie von vorne angriffen und ihnen großen Scha-den zufügten.

Unter diesen Umständen hatte man keine Zeit, die Truppen aufzunehmen,welche auf Psyttaleia ausgesetzt waren, um hier den Griechen den Ausweg ausder Bucht zu sperren. Aristeides benutzte diese Gelegenheit, um auch seiner-seits an dem Schlachttage tätigen Anteil zu*nehmen. Er sammelte rasch eineSchar gerüsteter Bürger, welche in Salamis dem Seekampfe zusahen, landetemit ihnen auf der Insel, deren niedriges Gestrüpp den zusammengedrängtenFeinden keinen Schutz darbot, und so wurde die ganze Mannschaft, eine Ab-teilung auserlesener Perser, durch das Schwert der Athener niedergemacht.Zwei Stunden nach Sonnenuntergang ging der Mond auf; er begünstigte wesent-lich die letzte Verfolgung und zeigte den Griechen die von den Persern geräumte,von Schiffstrümmern und Leichen dicht bedeckte Walstätte der salaminischenBucht. Zum Danke wurde mit dem Feste der Mondgöttin Artemis Munichiadie Erinnerungsfeier des Sieges verbunden. (Ernst Curtius, Griechische Ge-schichte, 1887/88, 6. A.)

DIE SCHLACHT BEI ISSOS.

Alexander ließ seine Linie langsam vorrücken, um mit größter Ordnungund durchaus geschlossen auf den Feind einbrechen zu können. Er ritt an derFront entlang, sprach zu den einzelnen Abteilungen, rief diesen, jenen derFührer mit Namen an, erwähnend, was sie schon Rühmliches getan; überalljauchzten ihm die Scharen zu, forderten, nicht länger zu zögern, den"Angriffzu beginnen. Sobald sich die ganze Linie in geschlossener Ordnung auf Pfeil-schußweite den Feinden genähert hatte, warf sich Alexander unter demSchlachtrufe des Heeres mit seiner Ritterschaft in den Pinaros. Ohne von demPfeilhagel des Feindes bedeutenden Verlust zu erleiden, erreichten sie dasjenseitige Ufer, stürzten sich mit solcher Gewalt auf die feindliche Linie, daßdiese nach kurzem vergeblichen Widerstände sich zu lösen und zu weichen be-gann. Schon sah Alexander des Perserkönigs Schlachtwagen, er drang auf

169