Männer für ihren Trotz büßen zu lassen. Zwei Tage lang wurde in der kleinenKüstenebene gekämpft von Morgen bis Abend. Wie gegen ein Festungstor wur-den immer von neuem die Meder in den Kampf geschickt, die ersten Gliedervon dem nachdrängenden Haufen vorwärtsgeschoben, einem gewissen Todeentgegen; denn sie hatten keinen Schutz gegen die griechischen Lanzen, vondenen kein Stoß fehlging, während die Geschosse von den ehernen Rüstungenabprallten. Die Truppen wurden wiederholt zurückgedrängt, und Xerxes, dervon der Höhe zuschaute, sah das Blut seiner besten Männer in Strömen überden Weg fließen. Hier war mit neuen Massen nichts zu erreichen. Man mußtedarauf denken, den Paß zu umgehen, und zu diesem Zwecke kam es daraufan, einen ortskundigen Führer zu finden.
Ephialtes, ein Malier, erbot sich zum Führer durch das Hochland, welchesoberhalb des Passes sich hinzieht. Von der Asoposschlucht stieg man amAbend durch die Eichenwälder hinan; als es tagte, war man auf der Höhe.Die Stille der Morgenluft begünstigte den Marsch. Die Phokeer schliefen.Erst die Tritte der Feinde schreckten sie auf. Außerstande, sich auf der Stellezum Widerstände zu ermannen, räumten sie den Weg und zogen sich auf denGipfel des Kallidromos zurück, indem sie glaubten, daß es auf sie abgesehensei. Die Perser aber dachten nicht daran, sich mit ihnen aufzuhalten, undeilten abwärts, um den Spartanern in den Rücken zu fallen.Diese erfuhren bald, wie es stand. Der Posten war verloren und zwar durchdie Schuld der Phokeer, die den Wachtdienst vernachlässigt hatten. Nochwar Hydarnes oben im Gebirge und der Rücken frei. Aber Leonidas konntenicht zweifelhaft sein, was er zu tun habe, denn er war ja nicht als Feldherrhergeschickt, um nach eigenem Ermessen den Umständen gemäß Krieg zuführen, sondern einfach um den Paß zu hüten. So gerechten Grund er alsoauch hatte, den Phokeern, die ihn im Stich gelassen hatten, zu zürnen, so wardoch für ihn das Bleiben nur die Erfüllung einer Bürgerpflicht, wie sie demechten Spartaner zur anderen Natur geworden war.
Um unnützes Blutvergießen zu vermeiden, entließ er die anderen Kontingente.Die Thesbier und Thebaner blieben; die ersten aus einer einstimmig aner-kannten Heldengesinnung, welche ihnen um so höher anzurechnen ist, weilkein äußerliches Pflichtgebot sie an den Ort fesselte, die anderen, wieHerodot bezeugt, von Leonidas zurückgehalten. Er wußte, daß sie, wenn siediesen Tag überlebten, nur dazu dienen würden, die Reihen der Perser zu ver-stärken.
Gleich nach dem Abzug der Genossen war der Rückweg abgeschnitten, undvon beiden Seiten drängte die zahllose Übermacht heran.Um zehn Uhr vormittags ordnete sich die kleine Schar zum letzten Kampfe.Erst führte sie Leonidas mitten in die Feinde, damit sie ihr Leben so teuer wiemöglich verkauften, dann aber, als sie von dem Gefechte matt wurden undihre Lanzen nach und nach zersplitterten, zogen sie sich auf einen kleinenHügel zurück, welcher gleich südlich von den Quellen sich einige dreißig Fußerhebt. Hier sanken sie, einer nach dem andern, in brüderlicher Gemeinschaftunter den Pfeilen der Meder. Ihre Aufopferung war keine vergebliche; siewar den Hellenen ein Vorbild, den Spartanern ein Antrieb zur Rache, den
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