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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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AUF EINEN APOLLON.

Dieser Apollo übertrifft alle andern Bilder desselben so weit als der Apollodes Homerus den, welchen die folgenden Dichter malen. Über die Menschheiterhaben ist sein Gewächs, und sein Stand zeugt von der ihn erfüllenden Größe.Ein ewiger Frühling wie in dem glücklichen Elysien bekleidet die reizendeMännlichkeit vollkommener Jahre mit gefälliger Jugend und spielt mit sanftenZärtlichkeiten auf dem stolzen Gebäude seiner Glieder. Geh mit deinemGeiste in das Reich unkörperlicher Schönheiten und versuche ein Schöpfereiner himmlischen Natur zu werden, um den Geist mit Schönheiten, die sichüber die Natur erheben, zu erfüllen: denn hier ist nichts Sterbliches noch wasdie menschliche Dürftigkeit erfordert: keine Adern noch Sehnen erhitzen undregen diesen Körper, sondern ein himmlischer Geist, der sich wie ein sanfterStern ergossen, hat gleichsam die ganze Umschreibung dieser Figur erfüllt.Er hat den Python, wider welchen er zuerst seinen Bogen gebraucht, verfolgt,und sein mächtiger Schritt hat ihn erreicht und erlegt. Von der Höhe seinerGenügsamkeit geht sein erhabener Blick wie ins Unendliche weit über seinenSieg hinaus: Verachtung sitzt auf seinen Lippen, und der Unmut, welchen erin sich zieht, bläht sich in den Nüstern seiner Nase und tritt bis in die stolzeStirn hinauf. Aber der Friede, welcher in einer seligen Stille auf derselbenschwebt, bleibt ungestört, und sein Auge ist voll Süßigkeit wie unter denMusen, die ihn zu umarmen suchen. In allen uns übrigen Bildern des Vatersder Götter, welche die Kunst verehrt, nähert er sich nicht der Größe, in welcherer sich dem Verstände des göttlichen Dichters offenbarte, wie hier in dem Ge-sichte des Sohnes, und die einzelnen Schönheiten der übrigen Götter tretenhier wie bei der Pandora in Gemeinschaft zusammen. Eine Stirn des Jupiters,die mit der Göttin der Weisheit schwanger ist, und Augenbrauen, die durchihr Winken ihren Willen erklären: Augen der Königin der Göttinnen mitGroßheit gewölbt und ein Mund, welcher denjenigen bildet, der dem geliebtenBranchus die Wohllüste eingeflößt. Sein weiches Haar spielt wie die zartenund flüssigen Schlingen edler Weinreben, gleichsam von einer sanften Luftbewegt, um dieses göttliche Haupt: es scheint gesalbt mit dem öl der Götterund von den Grazien mit holder Pracht auf seinen Scheitel gebunden. Ich ver-gesse alles andere über dem Anblicke dieses Wunderwerks der Kunst, und ichnehme selbst einen erhabenen Stand an, um mit Würdigkeit anzuschauen.Mit Verehrung scheint sich meine Brust zu erweitern und zu erheben, wiediejenigen, die ich wie vom Geiste der Weissagung aufgeschwellt sehe, und ichfühle mich weggerückt nach Delos und in die lykischen Haine, Orte, welcheApollo mit seiner Gegenwart beehrte: denn mein Bild scheint Leben und Be-wegung zu bekommen, wie des Pygmalions Schönheit. Wie ist es möglich,es zu malen und zu beschreiben? Die Kunst selbst müßte nur raten und dieHand leiten, die ersten Züge, welche ich hier entworfen habe, künftig aus-zuführen. Ich lege den Begriff, welchen ich von diesem Bilde gegeben habe,zu dessen Füßen, wie die Kränze derjenigen, die das Haupt der Gottheiten,welche sie krönen wollten, nicht erreichen konnten. (Joh. Joach. Winckel-mann, Geschichte der Kunst des Altertums, W. Ak. A. 1776.)

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