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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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APOLLO.

So wie dieser Jüngling (Antinous) am mehrsten an die Menschheit grenzt,so ist hingegen Apollo ganz Gott, und es herrscht eine Erhabenheit durch-aus, besonders aber im Kopfe, die niederblitzt; göttliche Schönheit inallem, von dem nachlässig sanft gewundenen Haare bis zu den schlanken,behenden Schenkeln und Beinen, ihre geistigste Blüte, nicht die irdischeFülle. Stand und Blick und Lippen voll Verachtung geben seine Hoheit zuerkennen. Die Augen sind selig, leicht aufzutun und zu schließen, in weitenBogen. Sein kurzer schlank und zart geformter Oberleib zu den langenBeinen macht ihn zu einer ganz besonderen Art von Wesen und gibt ihmÜbermenschliches.

Ein erstaunliches Werk von Erfindung und Phantasie! Das Problem istaufgelöst: da steht ein Gott, aus der Unsichtbarkeit hervorgeholt und in wei-chem Marmor festgehalten für die Melancholischen, die ihr Leben lang nacheinem solchen Blicke schmachteten. Es ist der höchste Verstand und diehöchste Klugheit mit Zornfeuer und Übermacht gegen Verächtliches; daraufzweckt alle Bildung. Was Apollo hat, ist ihm eigen und läßt sich wenig durchNachahmen übertragen. Auch dessen Altertum hat man angetastet und ihnzwar für keine Kopie doch für ein Werk aus der Kaiser Zeiten halten wollen,weil der Marmor karrarischer zu sein schien, welcher kurz vor dem Pliniusentdeckt wurde, und kein parischer, woraus die Griechen ihre mehrsten Bild-säulen verfertigten.

Wenn man dieses beweisen könnte, so wäre es wohl ausgemacht wahr;allein daran fehlt viel. Der parische ist nicht durchaus gleich, und man hatsichere neuere Proben kommen lassen, die von dem Marmor des Apollo imKorn nicht unterschieden sind. Und ferner gibt es so zarten karrarischen,daß er mit dem besten parischen übereinkommt. Und wo ist der übergroßeMarmorkenner, der von irgendeinem Stücke sagen will, gerade woher es sei,da dieser Stein in jedem Klima zu finden ist? Apollo hat nicht das gelblicheAlter des Laokoon und anderer griechischer Bildsäulen, vielleicht weil er nichtder Witterung so ausgesetzt war. Er ist augenscheinlich für einen bestimmtenPlatz gemacht, und das Bild tut nur Wirkung, wenn man es von der linkenSeite im gehörigen Standpunkte betrachtet; von der rechten steht er da geradewie ein Seiltänzer, so gespannt, und sein Kopf sitzt offenbar auf der rechtenSchulter viel zu weit von der Mitte. Wenn man denselben von seiner Rich-tung zurecht drehte, so war es abscheulich. Aber von der linken Seite be-trachtet, wohin er schaut, ist es homerischer Apollogang; man sieht ihnfortschreiten, sieht das Gesicht ganz und der Kopf kommt in die Mitte. Einwahrer Gott des Lichts dann und der Musen! Man darf sich ihm nicht vielnähern; er kann keinen Flecken leiden, und man müßte bei ihm immerhaarscharf gescheit sein und vernünftig sich aufführen: so erhaben ist erüber die Menschheit.

Wenn man dies einmal gefaßt und seine Schönheit im ganzen genossen hat,so mag man sich hernach doch an ihm herumdrehen wie man will, und erbleibt ein erstaunlich Werk von Vollkommenheit. Er ist zwar lauter Ideal;

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