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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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wo Kernstärke schöner und vollfleischiger und alles in der lebendigsten Formmit dem feinsten Wahrheitsgefühl so abgewogen wäre. Er senkt die rechteSeite und hatte den linken Arm in der Höhe. Das mächtige Brustbein ist sozart gehalten und mit nerviger Fettigkeit überzogen, daß man es kaum merkt.Brust und Schultern und Mark vom Rücken herum sitzen über der schlankenMitte ganz unüberwindlich und erdrückend. Die Schenkel sind lauter Kraft.Alles ist an ihm in Fluß und Bewegung in den allergelindesten Umrissen.Man sieht alle Teile und ihre Macht und Gewalt, jede Fiber ist in Regung, unddoch tritt weder Muskel noch Knochen scharf hervor. Es ist recht das höchsteVermögen in höchster Bescheidenheit und Schönheit. (Wilh. Heinse, Ardin-ghello, 1787.)

ARCHAISCHE PLASTIK.

Wir können die Kennzeichen und Eigenschaften dieses älteren Stils kürz-lich also begreifen: die Zeichnung war nachdrücklich aber hart, mächtigaber ohne Grazie, und der starke Ausdruck verminderte die Schönheit. Daaber die Kunst der ältesten Zeiten nur Göttern und Helden gewidmet war,deren Lob, wie Horatius sagt, nicht mit der sanften Leier stimmt, so wirddie Härte selbst zur Größe der Bilder mitgewirkt haben. Die Kunst warstrenge und hart, wie die Gerechtigkeit dieser Zeiten, die auf das geringsteVerbrechen den Tod setzte. Dieses ist jedoch stufenweis zu verstehen, dawir unter dem älteren Stile den längsten Zeitlauf der griechischen Kunstbegreifen: sodaß die späteren Werke von den ersteren sehr verschieden ge-wesen sein werden.

Denn wie, nach dem Urteile eines alten Skribenten, die Härte in derBildung und in dem Klange der Worte der Rede eine Größe gibt: so machtdie Härte und Strenge des älteren Stils eine ähnliche Wirkung in derKunst.

Die Eigenschaften dieses altern Stils waren unterdessen die Vorbereitungenzum hohen Stil der Kunst und führten diesen zur strengen Richtigkeit undzum hohen Ausdruck: denn in der Härte von jenen offenbart sich der genaubezeichnete Umriß und die Gewißheit der Kenntnis, wo alles aufgedeckt vorAugen liegt. Auf eben diesem Wege würde die Kunst in neueren Zeiten durchdie scharfen Umrisse und durch die nachdrückliche Andeutung aller Teile vomMichelangelo zu ihrer Höhe gelangt sein, wenn die Bildhauer auf dieser Spurgeblieben wären. Denn wie in Erlernung der Musik und der Sprachen dort dieTöne und hier die Silben und Worte scharf und deutlich müssen angegebenwerden, um zur reinen Harmonie und zur flüssigen Aussprache zu gelangen:ebenso führt die Zeichnung nicht durch schwebende, verlorene und leicht an-gedeutete Züge, sondern durch männliche, obgleich etwas harte und genaubegrenzte Umrisse zur Wahrheit und zur Schönheit der Form. Mit einemähnlichen Stile erhob sich die Tragödie zu eben der Zeit, da die Kunst dengroßen Schritt zu ihrer Vollkommenheit machte, in mächtigen Worten undstarken Ausdrücken von großem Gewichte, wodurch Äschylus seinen PersonenErhabenheit und der Wahrscheinlichkeit ihre Fülle gab. (Joh. Joach. Winckel-mann, Geschichte der Kunst des Altertums, W. Ak. A. 1776.)

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