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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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wie die Venus von der Dione geboren, mehr der Materie unterworfen: sieist eine Tochter der Zeit und nur eine Gefolgin der ersten, welche sie an-kündigt für diejenigen, die der himmlischen Grazie nicht geweiht sind.Diese läßt sich herunter von ihrer Hoheit und macht sich mit Müdigkeitoder Erniedrigung denen, die ein Auge auf dieselbe werfen, teilhaftig: sieist nicht begierig zu gefallen sondern nicht unerkannt zu bleiben. JeneGrazie aber, eine Gesellin aller Götter, scheint sich selbst genugsam undbietet sich nicht an, sondern will gesucht werden; sie ist zu erhaben, umsich sehr sinnlich zu machen: denn das Höchste hat, wie Plato sagt, keinBild. Mit den Weisen allein unterhält sie sich, und dem Pöbel erscheintsie störrisch und unfreundlich: sie verschließt in sich die Bewegungen derSeele und nähert sich der seligen Stille der göttlichen Natur, von welcher sichdie großen Künstler, wie die Alten schreiben, ein Bild zu entwerfen suchten.Was auch hier unfreundlich scheinen möchte, kann mit den Früchten ver-glichen werden, die, je süßer sie sind, nach der Bemerkung des Theophrastus,weniger Geruch haben als die herben; denn was rühren und reizen soll, mußscharf und empfindlich sein. Die Griechen würden jene Grazie mit der jonischenund diese mit der dorischen Harmonie verglichen haben, und wir könnendiese Vergleichung von der dorischen zu der jonischen Bauordnung machen,als welche hier völlig stattfindet.

Diese Grazie in Werken der Kunst scheint schon der göttliche Dichter ge-kannt zu haben: dieses war die Grazie, welche Pallas über denUlysses ausgoß und von welcher der hohe Pindarus singt; dieser Grazie opfer-ten die Künstler des hohen Stils. Mit dem Phidias wirkte sie in Bildung desolympischen Jupiters, auf dessen Fußschemel sie neben dem Jupiter auf demWagen der Sonne stand: sie wölbte, wie in dem Urbilde des Künstlers, denstolzen Bogen seiner Augenbrauen mit Liebe und goß Huld und Gnade ausüber den Blick seiner Majestät. Sie krönte mit ihren Geschwistern und denGöttinnen der Jahreszeiten das Haupt der Juno zu Argos, die von jenen er-zogen war, als ihr Werk, woran sie sich erkannte und an welchem sie demPolykletus die Hand führte. In der Sosandra des Kaiamis lächelt sie mit Un-schuld und Verborgenheit; sie verhüllte sich mit züchtiger Scham in Stirnund Augen und spielte mit ungesuchter Zierde in dem Wurfe ihrer Kleidung.Durch dieselbe wagte sich der Meister der Niobe in das Reich unkörperlicherIdeen und erreichte das Geheimnis, die Todesangst mit der höchsten Schön-heit zu vereinigen: er wurde ein Schöpfer reiner Geister und himmlischer See-len, die keine Begierden der Sinne erwecken, sondern eine anschauliche Be-trachtung aller Schönheit wirken: denn sie scheinen nicht zur Leidenschaftgebildet zu sein, sondern dieselbe nur angenommen zu haben. (Joh. Joach.Winckelmann, Geschichte der Kunst des Altertums, W. Ak. A. 1776.)

HERKULESTORSO.

Der Torso ist das höchste von einem Ringerkörper; der Sohn der Wunder-nacht, aus dessen Armen sich der dreifache Geryon nicht loswand, ruht undsitzt auf seinem Löwenfell. Man findet nichts mehr übrig von alter Kunst,

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