Schön war mein Krug, meiner Höhle schönste Zierde, und ging ein Wald-gott vorüber, dann rief ich: Komm, trink, und siehe den schönsten Krug!Zeus selbst hat bei dem frühesten Fest nicht einen schönern Krug.Er ist zerbrochen, ach! er ist zerbrochen, der schönste Krug! Da liegen dieScherben umher.
Wenn bei mir die Brüder sich "sammelten, dann saßen wir rings um denKrug. Wir tranken und jeder, der trank, sang die darauf gegrabene Ge-schichte, die seinen Lippen die nächste war. Itzt trinken wir nicht mehr,ihr Brüder! aus dem Krug; itzt singen wir nicht mehr die Geschichte, diejedes Lippen die nächste ist.
Er ist zerbrochen, ach! er ist zerbrochen, aer schönste Krug! Da liegen dieScherben umher.
Denn auf dem Krug war gegraben, wie Pan voll Entsetzen am Ufer sah,wie die schönste Nymphe in den umschlingenden Armen in lispelndes Schilfsich verwandelte. Er schnitt da Flöten von Schilfrohr von ungleicher Längeund klebte mit Wachs sie zusammen und blies dem Ufer ein trauriges Lied.Die Echo horchte die neue Musik und sang sie dem erstaunten Hain und denHügeln.
Aber er ist zerbrochen, er ist zerbrochen, der schönste Krug! Da liegen dieScherben umher.
Dann stand auf dem Kruge, wie Zeus, als weißer Stier, auf dem Rückendie Nymphe Europa auf Wellen entführte. Er leckte mit schmeichelnder Zungeder Schönen entblößtes Knie. Indes rang sie jammernd die Hände über demHaupt, mit dessen lockigem Haar die gaukelnden Zephire spielten, und vorihm her ritten die Amors lächelnd auf dem willigen Delphin.Aber er ist zerbrochen, er ist zerbrochen, der schönste Krug! da liegen dieScherben umher.
Auch war der schöne Bacchus gegraben. Er saß in einer Laube von Reben,und eine Nymphe lag ihm zur Seite. Ihr linker Arm umschlang seine Hüften,den rechten hielt sie empor und zog den Becher zurück, nach dem seine lächeln-den Lippen sich sehnten. Schmachtend sah sie ihn an und schien ihn umKüsse zu flehen, und vor ihm spielten seine gefleckten Tiger; schmeichelndaßen sie Trauben aus der Liebesgötter kleinen Händen.
Aber er ist zerbrochen, er ist zerbrochen, der schönste Krug! Da liegen dieScherben umher. O klag es, Echo, dem Hain! klag es dem Faun in den Höhlen!Er ist zerbrochen! da liegen die Scherben umher."
So sang der Faun, und die jungen Hirten banden ihn los und besahen be-wundernd die Scherben im Gras. (Salomon Gessner, Idyllen, 1756.)
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DIE GRAZIE.
Die Grazie, welche wie die Musen nur in zwei Namen bei den ältesten Griechenverehrt wurde, scheint wie die Venus, deren Gespielen jene sind, von verschie-dener Natur zu sein. Die eine ist wie die himmlische Venus von höhererGeburt und von der Harmonie gebildet und ist beständig und unveränder-lich, wie die ewigen Gesetze von dieser sind.--------Die zweite Grazie ist,
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