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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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samen Beratungen über die wichtigsten Angelegenheiten versammelte, aufalle Weise zu schmücken suchte. Der den städtischen Verfassungen eigentüm-liche Gemeingeist wurde durch die Öffentlichkeit des Lebens genährt. DieWohnungen der Privatleute, auch der angesehensten, waren gering, ihr innererSchmuck unbedeutend, sodaß selbst das, was in späterer Zeit als ausschwei-fende Üppigkeit getadelt wird, nur ein Beweis von der Einfachheit des häus-lichen Lebens ist. Aber was man dem egoistischen Genuß entzog, dem Staatezuzuwenden, durch religiöse Feste, glänzende Schauspiele und ewige Werkeder Kunst die Stadt zu schmücken, das war der Ruhm eines patriotischenGriechen. Indem sich also tausend dünne Bäche in den Weiher des Gemein-wesens ergossen, ward es möglich, mit den kleinsten Mitteln das Größte zu

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Es hatte aber noch überdies das öffentliche Leben für die Kunst den doppel-ten Vorteil erstlich, daß es absichtslos zur Betrachtung der Natur in ihrenaufrichtigsten Äußerungen führte, welche für den Künstler wenigstens ebensowichtig war, als die oft bestrittenen Vorzüge der hellenischen Schönheit, zwei-tens aber, daß es die Kunst auf einer würdigen Höhe erhielt. Auf das Öffent-liche gerichtet, nährte sich die Kunst mit einem energischeren Leben und ent-faltete ihre Schwingen in dem ihr eigentümlichen Äther, wo sie durch keineWillkür der Einzelnen gelähmt und beschränkt ward. So lange daher das öffent-liche Leben in seiner Würde bestand, erhielt sich auch die Kunst auf ihrerheitern Höhe und sie entfloh, als jenes entwürdigt ward. Die makedonischenFürsten, die in dem entarteten Griechenland den alten Wohnsitz der Tugendehrten, ließen den meisten Städten ihre Autonomie, und doch war die Nieder-lage bei Chäronea der Wendepunkt der hellenischen Vortrefflichkeit. DerFrohsinn des öffentlichen Lebens entwich; der freie Mut war gebrochen, derveredelnde Stolz des freien Bürgers gedemütigt, nur blasse Funken der Hoff-nung schlummerten noch unter der Asche alter Erinnerungen. Wie in demGemüt des Einzelnen, solange es auf den Fittichen begeisternder Ideen schwebt,der niedrige und böse Wille keine Kraft gewinnt, sondern erst, wenn sich jeneverdüstern, zur Herrschaft kommt: so fing auch in Griechenland das verderb-liche Unkraut erst dann an zu wuchern, als die Genien der Freude und deserhebenden Selbstgefühls von seinen gesegneten Fluren entwichen waren. DerUmschwung war schnell. Edler Stolz ward durch nichtswürdige Schmeicheleiverdrängt; die leitenden Gestirne der Poesie und Kunst umnebelten sich, unddie Sitten, welche in ihrem Glänze erwachsen waren, verloren, des beleben-den Lichtes beraubt, Kraft und Farbe.

So hing auch das Gedeihen der Kunst mit der Blüte der hellenischen Städte-regierungen durch die engsten Bande zusammen, nicht bloß wegen der äußernMittel, sondern vornehmlich wegen ihres innern Lebens, das durch jene ge-nährt und befruchtet wurde. Doch haftete auch die äußere Möglichkeit, sozahlreiche und kostbare Werke zum Schmucke der Städte aufzubringen, andem Gemeinsinn, den die städtische Verfassung nährte. Die Bedürfnisse warengering, das Leben leicht, und, was mehr als alles galt, die Idee des Vaterlandeshielt die Selbstsucht im Zaume. Das gemeine Wesen war reich durch dieMäßigkeit seiner Glieder. Wie für andere seiner Bedürfnisse, so sorgten auch

II Wolters, Der Deutsche. I.

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