die Einzelnen für die Erheiterung und den Schmuck des Lebens, und es warder Ruhm eines wackern Bürgers, hierbei nicht das Notwendigste zu tunsondern das Möglichste. Ein edler Wetteifer befeuerte die Gemeinde, und eskann wohl nichts Schöneres zum Lobe der hellenischen Bildung gesagt werden,als daß es die Beförderung der Künste war, durch die man die Gunst der Bür-ger gewann. Wie viel sind der Völker, auf die mit solchen demagogischenMitteln gewirkt werden könnte, als welche Perikles brauchte?So war also nicht eigentlich der Reichtum der Pfleger der Kunst, sondern dieBürgertugend, diese Genossin einer anständigen und weisen Armut. DerReichtum hat nie etwas Großes erzeugt, und selbst als Gehilfe ist er zu schlecht,wenn er nicht durch Tugend errungen im Geleite der Mäßigkeit geht. AuchThessalien war reich. Aber wann haben je die Thessalier etwas Großes getan?Wo haben sie je durch Pflege der Künste eine höhere Bildung verraten?Wie nun die Kunst eine Tochter der bürgerlichen Tugend war, so war sie auchdie Belohnung derselben. Die Urheber rühmlicher Taten, die Beförderer desvaterländischen Ruhmes im Krieg und Frieden, die Weisen und Dichter wur-den durch die Hand der Kunst auf die Nachwelt gebracht. Auch Handlungender Frömmigkeit und kindlichen Liebe oder nützliche Erfindungen wurdendurch Bilder verewigt und im Tempel geweiht. In Erz aufgestellt zu sein, sagtein griechischer Redner, scheint edlen Männern überaus herrlich, und es istein würdiger Lohn der Tugend, nicht gleichzustehn den Nichtgebornen, son-dern den Namen zu erhalten nach dem Tode und ein sinnliches Zeichen derTrefflichkeit zurückzulassen. Solcher Ehre wurden Unzählige würdig ge-halten.
Es ist nun wohl nicht zu verwundern, wenn uns unter diesen Umständen einemehr als gewöhnliche und religiöse Liebe zur plastischen Kunst gleichsam alsein Abzeichen der hellenischen Natur überall in jenen Staaten begegnet.Wie vor allen der trefflich genannt zu werden verdient, der, wie Pindarussagt, viel von Natur weiß, so war auch die hellenische Kunst darum so treff-lich, weil sie aus ihrer innersten Natur entsprungen war, und aus eben demGrunde war sie ihnen in allen ihren Erscheinungen wie die Schwester ihrerSeele willkommen. Wie lebendig und tief gegründet diese Liebe zur Kunstin Griechenland gewesen, kann als bekannt vorausgesetzt werden; auch istdie Ursache dieser Liebe aus dem vorher Gesagten klar. Aus ihr entsprangjene religiöse Meinung von der Heiligkeit und Unverletzlichkeit eines jedenWerkes der Kunst; eine Meinung, die, wo sie nicht aus dem Gefühl quillt,durch'Jceine Verordnung erzwungen werden kann. Jene Werke wurden alskostbare Gemeingüter von jedem Bürger geachtet, und man wußte nachCiceros Beteuerung kein Beispiel, daß eine griechische Stadt solche Schätzeveräußert hätte. Als daher Nikomedes von Bithynien die Aphrodite des Praxi-teles von den Knidiern kaufen wollte mit dem Versprechen, der Stadt ihredrückende Schuldenlast abzunehmen, antworteten sie, daß sie lieber jeglichesUngemach dulden wollten, als diesen Verlust. In der Tat wurde auch mancheStadt schon durch ein einziges Kunstwerk berühmt. Nachdem, wie Straboberichtet, zu Thespiä in Böotien der Eros des Praxiteles aufgestellt würden,reiste man von allen Gegenden dahin, da vorher niemand nach Thespiä ge-
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