die Schönheit täglich vor Augen zu sehen. Ja, es war dieselbe gleichsam einVerdienst zum Ruhme, und wir finden in den griechischen Geschichten dieschönsten Leute angemerkt: gewisse Personen wurden von einem einzigenschönen Teile der Bildung, wie Demetrius Phalereus von seinen schönen Augen-lidern mit einem besondern Namen bezeichnet: denn er wurde genennet X a P l ~
xoßXecpapo?, das ist: auf dessen Augenlidern die Grazien wohnten.--------
Eine Statue des Siegers, in dessen Gleichheit und Ähnlichkeit an demheiligsten Orte in Griechenland gesetzt und von dem ganzen Volke gesehenund verehrt, war ein mächtiger Antrieb, nicht weniger dieselbe zu machen alszu erlangen, und niemals ist für Künstler unter irgendeinem Volke von je aneine so häufige Gelegenheit gewesen, sich zu zeigen: die höchste Ehre imVolke war, ein olympischer Sieger zu sein, und es wurde dieselbe für eineSeligkeit gehalten: denn die ganze Stadt des Siegers hielt sich Heil wider-fahren, daher diese Personen aus den gemeinen Einkünften unterhalten wur-den, und sie erhielten von ihrer Stadt ein prächtiges Begräbnis, ja, die Ehren-bezeugungen erstreckten sich bis auf ihre Kinder. Den Siegern in den großenSpielen wurden nicht allein an dem Orte der Spiele und vielen nach der An-zahl der Siege Statuen gesetzt, sondern auch zugleich in ihrem Vaterlande,weil, eigentlich zu reden, die Stadt der Sieger, nicht diese gekrönt wurde.Es nahmen folglich alle Mitbürger teil an der Ehre ihrer Statue, zu welchersie die Kosten aufbrachten, und der Künstler derselben hatte es mit demganzen Volke zu tun. Ja, dem Euthymus aus Lokri in Italien, welcher allezeitzu Elis gesiegt und nur einmal gefehlt hatte, wurde nach dem Ausspruch desOrakels noch bei dessen Leben sowie nach dem Tode geopfert. (Joh. Joach.Winckelmann, Geschichte der Kunst des Altertums, W. Ak. A. 1776.)
STAAT UND KUNST.
Über den Einfluß des Klimas auf die Kunst ist viel und fast mehr als nötiggeschrieben worden; aber nicht genug hat man das Band beachtet, das denHimmel mit der Verfassung und die Verfassung mit der Kunst vereint. Jenerheitere Himmel, dessen sich Griechenland erfreut, war seiner Einwohner lieb-stes Obdach; die kühlenden Lüfte, das rauschende Meer und die glänzendeSonne waren die Freude des Volks und die Lust seines Lebens. In der freienNatur lebte es des Jahres größten Teil mühelos dahin, in dem heitern Genußseines Daseins und unter geselliger Mitteilung. Selbst in Athens blühendsterZeit schien denen, welche nach alter Weise lebten, die Stadt nur ein Sammel-platz des Verkehrs der Geschäftigen, der eigentlich erquickliche Wohnortaber das Land, und alle Griechen sahen ursprünglich ihre Städte als großeGefängnisse an. Diese Gefängnisse aber sollten wenigstens heiter sein. Daherwaren die hellenischen Städte voll von freien Plätzen, luftigen Säulengängen,weitläufigen Hallen und schattigen Hainen; hier lebte das Volk, hier beginges seine Geschäfte und genoß seine Muße. Mit dem Klima hing auch dieVerfassung zusammen, und da auch diese dem Hange zum öffentlichen Lebenzustatten kam, so ist es wohl kein Wunder, daß das Volk die öffentlichenPlätze, die sein gewöhnlicher Aufenthalt waren, und wo es sich zu gemein-
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