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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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aus dem Orient gekommen ist, selbst Homer setzt doch als Begleitung diefreilich mehr den rhapsodischen Rhythmus andeutende Kithara voraus. Dasgriechische Wort fürdichten" iroieiv ist zugleich das fürkomponieren"und bezeichnet für den Griechen der klassischen Zeit eben die untrennbareEinheit dieser beiden Tätigkeiten. Wenn wir von griechischen Dichtwerkenauch nur dienackten Worte", wie der Grieche sich ausdrückte, noch haben,während die wenigen Bruchstücke, die uns von griechischen Kompositionenerhalten sind, und die paar theoretischen Werke über diese Kunst nur geradehinreichen, um uns ein notdürftiges Bild von der allgemeinen Art ihrer Musikzu geben, so dürfen wir uns doch durch den Zufall der Überlieferung, derfür uns die griechische Musik hinter den anderen Künsten so sehr zurück-treten läßt, nicht täuschen lassen. Den Griechen der Zeit Piatos war dieMusik, und zwar schon die reine Musik auch ohne Worte, das heißt die Kunstderbloßen Harmonien und Rhythmen", die Kunst überhaupt und mehrals alle anderen Künste Kunst. Wir können heute allerdings unsere Vorstel-lung vom Griechentum nur schwer von dem Begriff der Plastik trennen,und diese ist auch die einzige griechische Kunst, deren Werke dank der Dauer-haftigkeit ihres Materials noch ganz unmittelbar und verständlich zu unsreden, welche mit ihrem unsagbaren, nie alternden Reiz so frisch vor unsstehen, als hätten sie die Hand des Künstlers eben erst verlassen. In den Wer-ken der bildenden Kunst wird jedem erst das Eigentümliche griechischenEmpfindens aufgehen. Aber als eigentlich schöpferischer Künstler, alsPoet",gilt dem Griechen nur der Musiker und Dichter; der Bildhauer und überhauptder bildende Künstler ist ihm bloßer Handwerker,Demiurg", wie er jedennennt, der mit den Händen arbeitet und nur hervorzubringen vermag, wasman mit Augen sehen und körperlich greifen kann. Dagegen ist das Reich derMuse dort, wo das Kunstwerk ohne Mittelglieder aus unerschöpften Tiefender Menschenseele wie aus göttlicher Inspiration kommt und durch bloßenGeisterzwang der Stimme auf den Hörer wirkt. Indem die Griechen dasMusische im engeren Sinne in der reinen und abstrakten Welt der Töne undRhythmen suchten, gaben sie zu erkennen, daß sie hier im höchsten Maßejene enthusiastische und psychagogische Macht der Muse empfanden. (ErichFranck, Plato und die sogenannten Pythagoreer, 1923.)

DORISCHE TONART.

Wir kommen immer auf das Resultat, daß vor dem Aufblühen der vonAsien mannigfach berührten lesbischen Schule die Dorier des Peloponnes,die reinen Hellenen, vor allen andern Stämmen des Griechenvolkes die Musikübten. Denn daß der Name der Tonart nicht etwa bloß in dem äußeren Vor-wiegen des Volksstammes seinen Grund hat, dafür bürgt nun auch die innereÜbereinstimmung des Charakters derselben mit dem Dorismus überhaupt.Die Alten, die das Ethische in der Musik unendlich bestimmter zu fassen ver-standen, als es in unsrer ins Formlose und Unendliche verschwimmenden Ton-kunst möglich ist, maßen derselben durchaus etwas ungemein Ernstes, Festesund Männliches bei, geeignet Ausdauer zu geben zur Bestehung großer Ge-

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