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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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mit der Dichtkunst an zu wetteifern; aus zwei Versen Homers ward Phidias'Jupiter wie durch Offenbarung. Der Geschmack ihres Lebens konnte demGange ihrer Dichtkunst voll Götter und Helden nicht unähnlich werden,sie machten sich alles leicht, kränzten sich alles mit Blumen. Unter Musikund Gesang übten sie sich in Kämpfen und Spielen; unter Flötenschalleund wie im Tanze zogen sie zur Schlacht. Ihre Erziehung in den schönstenZeiten waren Leibesübung, Musik und Dichtkunst; diese standen unter derAufsicht der Obern und waren von den Gesetzgebern ihrer Staaten zuGrundfäden ihres Charakters angewandt worden, durch die sich nun Ge-setze und Lehren schlangen. Homer war ihnen alles, und der feine Blick,mit dem dieser alles gesehen, jeden Gegenstand, nicht straff angezogen,sondern in seinem leichten reinen Umrisse, richtig und leicht gemessen,gezeichnet hatte der feine Blick, das leichte, richtige, natürliche Ver-hältnis in allem wurde auch ihr Blick. Die Denkart der Menschen, ihreSitten und Sprache bekamen einen Strom, eine Fülle, eine Runde, die sienoch nicht gehabt. (Joh. Gottf. Herder, Über die Wirkung der Dicht-kunst auf die Sitten der Völker in alten und neuen Zeiten, 1778.)

GOETHE AN WILHELM V. HUMBOLDT ÜBER DESSEN ÜBERTRAGUNGDESAGAMEMNON" VON ÄSCHYLUS.

Das große Werk, dem Sie, teuerster Freund, einen schönen Teil Ihres Lebensgewidmet, konnte nicht zu besserer Stunde bei mir anlangen, es trifft mich hierin Tennstadt, in einem Ihnen wahrscheinlich nicht ganz unbekannten thü-ringischen Land- und Badestädtchen, wo ich nun fünf Wochen hause und,seitdem mich Freund Meyer verlassen, allein geblieben bin.Hier erlaubt ich mir nun zuerst ein durchlaufendes Lesen der Einleitungsowohl als des Stückes selbst zu meiner nicht geringen Erbauung. Und daich nun wiederholt das Einzelne mit dem Ganzen genieße, will ich meinenDank für diese Gabe nicht länger zurückhalten.

Denn wenn man sich auch mit allem Löblichen und Guten, was uns dieälteste und neueste Zeit reicht, freundlich teilnehmend beschäftigt, so trittdoch eine solche uralte Riesengestalt, geformt wie ein Ungeheuer, überraschend,vor uns auf, und wir müssen alle unsere Sinne zusammennehmen, um ihreinigermaßen würdig entgegenzustehen. In einem solchen Augenblick zweifeltman keineswegs, hier das Kunstwerk der Kunstwerke, oder wenn man ge-mäßigter sprechen will, ein höchst musterhaftes zu erblicken. Daß wir nundieses mit Leichtigkeit vermögen, sind wir Ihnen schuldig; auch muß IhrerBemühung, ob sie gleich an sich belohnend, warm ein fortwährender Danklohnen.

Das Stück war von jeher mir eines der betrachtungswürdigsten und durchIhre Teilnahme schon früh zugänglicher als andere. Verwundersam aber istmir jetzt mehr als je das Gewebe dieses Urteppichs: Vergangenheit, Gegenwartund Zukunft sind so glücklich in eins geschlungen, daß man selbst zum Seher,das heißt: Gott ähnlich wird, und das ist doch am Ende der Triumph allerPoesie im Größten und im Kleinsten.

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