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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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kunst durch. Nur von Hymnen und Kriegen der Götter kam man aufs Lobund auf Kriege der Menschen: die ältesten Aoiden waren heilige Personen,jener bei der Klytämnestra der mächtige unbezwingbare Wächter ihrer Tu-gend.Die Fürsten", sagt Hesiod,kommen vom Jupiter, die Sänger vonden Musen und dem Apoll. Glücklich ist der Mann, den die Musen lieben;seine Lippen fließen über von sanften und süßen Tönen. Ist jemand, der inseiner Seele einen geheimen nagenden Kummer fühlt: der Sänger, ein Dienerder Musen, hebet nur an das Lob der Götter und alten Helden, sogleich ver-gißt er seinen Kummer und fühlt sein Leid nicht mehr. Seid mir gegrüßt,Jupiters Töchter! begeistert mich mit eurem mächtigen Gesänge!" So sahHesiod die Dichtkunst an, und wie sie der Sänger fürs Vaterland, der wackreTyrtäus, wie sie der Sänger für Griechenland, Pindar, brauchte; wie sie diealten Pythagoreer und Gnomologen anwandten, liegt noch in Überbleibselnzutage. Sowohl Trauerspiele als die meisten lyrischen Gattungen sind ausgottesdienstlichen Chören und Gebräuchen entstanden. Plato mit aller seinerWeisheit ist in jeder dunkeln verwickelten Frage von Dichtersprüchen undSagen der alten Zeit voll; die ihm das verargen, tun sehr unrecht, denn ohnesie wäre nie ein Plato geworden. Aus Dichtern der Vorwelt hat sich also, nachGeschichte und Tradition, bei den Griechen ihre ganze Verfassung und Weis-heit erzeugt.

Und zwar geschahen die größten Wirkungen der Dichtkunst, da sie nochlebendige Sage war, da noch keine Buchstaben, viel weniger geschriebeneRegeln da waren. Der Dichter sah, was er sang, oder hats lebendig ver-nommen, trugs lange mit sich im Herzen als sein Schoßkind umher; nunöffnete er den Mund und sprach Wunder und Wahrheit. Der Kreis um ihnstaunte, horchte, lernte, sang, vergaß die Göttersprüche nie; sie waren ihmmit Nägeln des Gesanges in die Seele geheftet. Kams nun noch dazu, daß derDichter höhere Absicht hatte, daß er wirklich ein Bote der Götter, ein Mannfür sein Volk und Vaterland, ein heiliger Stifter des Guten auf Geschlechterhinab war, und diesen Schatz und diesen Drang in sich fühlte: wie Pfeile flo-gen die Töne aus seinem goldenen Köcher ins Herz der Menschen. Die grie-chische Musik, Töne unter griechischem Himmel den Saiten entlockt, nahmenihn auf ihre Flügel, Musen und Grazien halfen den Gesang vollenden.Die Wirkung davon zeigt das Bild der Griechen in der Geschichte ihrer Werkeund Produktionen, ja, ihr Charakter bis auf den heutigen Tag. Sie waren dieerste kultivierte Nation, wie selbst Ägyptier und Phönizier nicht waren. IhreSprache war so dichterisch, biegsam, klingend, fein und reich, daß man wohlsieht, frühe Dichter haben sie gebildet, und sie konnte wieder neue Dichterwecken. Alles, was sie bei den Nachbarn sahen, von den Ausländern lernten,faßten sie rund und ganz als Gedicht, als schöne Weise, und bildeten selbstbis auf Namen und Geist der Sache nach ihrem Charakter, wie zum Klangeder Leier. Die Götter der Ägyptier wurden bei ihnen schöne dichterischeWesen, sie warfen überflüssigen Putz und alles schwere Gerät ab und zeigtensich, wie Mutter Natur sie geschaffen, nackt, in schöner menschlicher Bil-dung und dazu, wie es dem Gange der Dichterkunst und dem Fluge ihrer Sai-ten geziemte, in menschlicher, oft zu menschlicher Handlung. Die Kunst fing

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