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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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sich ihr hoher Beruf, nicht das Zufällige, sondern das Wesentliche und Not-wendige darzustellen, nicht nach dem Einzelnen, sondern nach dem Allge-meinen zu streben. Auch sie hatte ihren mythischen Ursprung, wie jedefreie Entwicklung des Dichtungsvermögens. Während des ersten Zeitaltersihrer Entwicklung schwankte die griechische Poesie zwischen schöner Kunstund Sage. Sie war eine unbestimmte Mischung von Überlieferung und Er-findung, von bildlicher Lehre, Geschichte und freiem Spiel. Aber welch eineSage? Nie gab es eine geistreichere oder sittlichere. Der griechische My-thus ist wie der treuste Abdruck im hellsten Spiegel die bestimmtesteund zarteste Bildersprache für alle ewigen Wünsche des menschlichen Gemütsmit allen seinen so wunderbaren als notwendigen Widersprüchen: eine kleinevollendete Welt der schönsten Ahndungen der kindlich dichtenden Vernunft.Dichtung, Gesang, Tanz und Geselligkeit festliche Freude war das holdeBand der Gemeinschaft, welches Menschen und Götter verknüpfte. Und inder Tat war auch der Sinn ihrer Sage, Gebräuche und besonders ihrer Feste,der Gegenstand ihrer Verehrung das echte Göttliche: die reinste Mensch-heit. In lieblichen Bildern haben die Griechen freie Fülle, selbständige Kraft

und gesetzmäßige Eintracht angebetet.--------Die Poesie war die Schranke

und das Ziel ihrer Laufbahn, der Keim, aus dem der Baum ihrer ganzen Bil-dung entsprang, und die schönste Frucht, mit der er sein Wachstum vollendete.(Fr. Schlegel, Über das Studium der griechischen Poesie, 1797.)

WIRKUNG DER DICHTUNG BEI DEN GRIECHEN.

Auch hier war die Poesie im Anfange göttlich, die Bilderin der Sitten derMenschen und Völker. Die ältesten Sagen und Märchen Griechenlands Schrei-bens ihr zu, daß sie die Wilden gebändigt, Gesetze gegeben, sie den Menscheneingeflößt und unvermerkt in Gang gebracht habe. Die ältesten Gesetzgeber,Richter der Geheimnisse und innigsten Gottesdienste, ja, endlich der Sage nachdie Erfinder der schönsten Sachen und Gebräuche zur Sittlichkeit des Lebenswaren Dichter. Ich mag die Fabeln von Orpheus, Amphion, Linus, Thaiesund alle den siebzig Dichternamen vor Homer ich mag sie hier so wenigwiederholen als einzeln deuten. Genug, Hymnen der Götter, Geheimnisse,Kosmogonien, die alten Geschichten der Urwelt, Gesetze, Sitten, meistens auchin Bildern, in Sagen, war ihr Gesang, ihre Lehre und Weisheit. Bei den mei-sten sieht man offenbar, woher sie gekommen, von welchen Geschichten sieder gebrochene Nachhall sind, und Bako nennt die älteste griechische Dicht-kunst mit Recht einen Jüngling, der mit morgenländischem Winde zum Zeit-vertreibe auf einer griechischen Flöte pfeift. Hier ist's nur unsre Sache, denEindruck zu bemerken, den nach den eignen Märchen der Griechen selbstdies alles auf sie gemacht hat. Von diesen alten Kosmogonien, Hymnen,Geheimnissen, Fabeln rechnen sie selbst ihre politische und moralische Sitt-lichkeit her: noch nach Jahrhunderten waren die Namen Linus, Orpheus,Musäus, Thaies und wie sie weiter heißen, als Wohltäter der Weisheit undals Väter ihres Ruhms heilig. Auch später, wo die Namen aufhören und wahreGedichte da sind, blickt noch dieser heilige, sittliche Gebrauch der alten Dicht-

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