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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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Nur bei einem Volke entsprach die schöne Kunst der hohen Würde ihrerBestimmung.

Bei den Griechen allein war die Kunst von dem Zwange des Bedürfnissesund der Herrschaft des Verstandes immer gleich frei, und vom ersten Anfangegriechischer Bildung bis zum letzten Augenblick, wo noch ein Hauch von ech-tem Griechensinn lebte, waren den Griechen schöne Spiele heilig.Diese Heiligkeit schöner Spiele und diese Freiheit der darstellenden Kunstsind die eigentlichen Kennzeichen echter Griechheit. Allen Barbaren hin-gegen ist die Schönheit an sich selbst nicht genug. Ohne Sinn für die un-bedingte Zweckmäßigkeit ihres zwecklosen Spiels bedarf sie bei ihnen einerfremden Hilfe, einer äußern Empfehlung. Bei rohen wie bei verfeinertenNichtgriechen ist die Kunst nur eine Sklavin der Sinnlichkeit oder der Ver-nunft. Nur durch merkwürdigen, reichen neuen und sonderbaren Inhalt,nur durch wollüstigen Stoff kann eine Darstellung ihnen wichtig und inter-essant werden.

Schon auf der ersten Stufe der Bildung und noch unter der Vormundschaftder Natur umfaßte die griechische Poesie in gleichmäßiger Vollständigkeitim glücklichsten Gleichgewicht und ohne einseitige Richtung oder übertriebeneAbweichung das Ganze der menschlichen Natur. Ihr kräftiges Wachstumentwickelte sich bald zur Selbständigkeit und erreichte die Stufe, wo das Gemütin seinem Kampfe mit der Natur ein entschiedenes Übergewicht erlangt, undihr goldenes Zeitalter erreichte den höchsten Gipfel der Idealität, (vollständigeSelbstbestimmung der Kunst und der Schönheit), welches in irgendeiner natür-lichen Bildung möglich ist. Ihre Eigentümlichkeit ist der kräftigste, reinste,bestimmteste, einfachste und vollständigste Abdruck der allgemeinen Men-schennatur. Die Geschichte der griechischen Dichtkunst ist eine allgemeineNaturgeschichte der Dichtkunst, eine vollkommene und gesetzgebende An-schauung.

In Griechenland wuchs die Schönheit ohne künstliche Pflege und gleich-sam wild. Unter diesem glücklichen Himmel war die darstellende Kunstnicht erlernte Fertigkeit sondern ursprüngliche Natur. Ihre Bildung warkeine andre als die freieste Entwicklung der glücklichsten Anlage. Die grie-chische Poesie nahm von der rohesten Einfalt ihren Anfang: aber diesergeringe Ursprung schändet sie nicht. Ihr ältester Charakter ist einfach undprunklos aber unverdorben. Hier findet ihr weder abgeschmackte Phanta-sterei, noch verkehrte Nachahmung eines fremden Nationalcharakters, nochexzentrische und unübersteiglich fixierte Einseitigkeit. Hier konnte die Will-kür verkehrter Begriffe den freien Wuchs der Natur nicht fesseln, ihre Ein-tracht zerreißen und zerstören, ihre Einfalt verfälschen, den Gang und dieRichtung der Bildung verschrauben. Schon frühe unterscheidet sich diegriechische Poesie durch ein gewisses Etwas von allen übrigen National-poesien auf einer ähnlichen Stufe der kindlichen Kultur. Gleichweit entferntvon orientalischem Schwulst und von nordischem Trübsinn, voll Kraft aberohne Härte und voll Anmut aber ohne Weichlichkeit ist sie eben dadurch ab-weichend, daß sie mehr als jede andere rein menschlich und dem allgemeinenGesetze aus eigner freier Neigung getreu ist. Schon in der Kindheit meldet

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