gestalten. Und das, was diese „Wilden" besitzen, die ihnen eigene körperlichund geistige Kultur, sind wir sogenannten Kulturträger ja eben im bestenBegriffe ihnen noch zu rauben.
Daß beides so zusammentraf, die gymnastische Körperausbildung und daskünstlerische Vermögen, das ist ein Fall, der bisher in der Weltgeschichte nur
einmal vorkam, nur bei den Griechen.-------
Die durch ihre Kraft der stilisierenden Gestaltung geschaffene typische Bil-dung des gymnastisch erzogenen Körpers in der griechischen Kunst ist eineSchöpfung so einziger, großer Art, etwa wie die des attischen Dramas. Wiedieses in relativ ganz kurzer Zeit entstanden, als alle Bedingungen dazu vor-handen waren, hat auch diese Schöpfung ungeheuer lange nachgewirkt, undder Kreis auch ihrer Wirkung ist durchaus noch nicht vollendet. (Ad. Furt-wängler, Die Bedeutung der Gymnastik in der griechischen Kunst, 1905.)
GRIECHISCHE FESTE.
Die Feier der Feste erzeugte im attischen Staate frühzeitig eine Verschwen-dung, welche ebenso unbegrenzt war, als der Aufwand prachtliebender Fürstenfür ihre Hofhaltung: aber sie war edler und schöner, weil sie zur Verherr-lichung des Ganzen diente, und alle Bürger, nicht bloß einzelne Auserwählte,an diesen Feierlichkeiten Anteil hatten, weil sie an das teuerste Kleinod derMenschheit, die Religion geknüpft war, und durch die Spiele, welche mächtigauf die Volksbildung wirkten, der Gemeinsinn ebensowohl als der Geschmackund das Kunsturteil erweckt und befestigt wurden. Freisinnig war es, großeSummen auf die Künste zu verwenden, die an den Festen der Götter in höchsterVollendung erschienen, auf kostbare und dauernde Geräte, Gewänder, Teppiche,auf Chöre und musische Spiele, auf ein vollendetes Theater, gleich vortreff-lich im Scherz und Ernst; fromm war es, den Göttern nicht Knochen zuopfern, wie in Sparta, und das Irdische verschmähend auf die Verehrungder Himmlischen zu verwenden, was sie den Sterblichen gegeben haben.Auch war es natürlich, daß der Opfernde an dem Opfermahle teilnahm:wenn aber endlich das Volk die besten Einkünfte des Staates verschmauste,sodaß die Opfer nicht mehr der Götter, sondern der Menschen wegen ein-geführt schienen, damit das Volk vom gemeinen Wesen ernährt würde, sowar dies niedrig zugleich und unklug, weil, um dieses durchzuführen, not-wendig jene Bedrückung der Bundesgenossen erfolgen mußte, welche denUntergang des Staates vorbereitete, und diesem die Kräfte zu seiner Ver-teidigung auf eine leichtsinnige und unverzeihliche Weise geraubt wurden.Die Athener hatten nicht allein doppelt so viel Feste als andere hellenischeStaaten, sondern ihre Feier ging auch allem vor. „Die Panathenäen, dieDionysien", sagt Demosthenes, „werden immer zur rechten Zeit gefeiert,worauf ihr so große Summen verwendet als auf keine Seeunternehmung,und wobei ihr solche Zurüstungen macht, wie sie niemand sonst hat; abereure Flotten kommen immer zu spät." Selbst Plutarch, sonst ein Bewunderer,welcher mit schönen Redensarten und einem liebenswürdigen Gemüt dieKöpfe vieler Gelehrten durch ihre Herzen bestochen hat, verkennt in dem
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