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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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wahren, wie man auch sonst in der größten Kälte zu tun pflegte, teils um dieheftigen Ausdünstungen zu vermindern, die nichts als das Überflüssige weg-nehmen sollten. Das öl sollte auch die Eigenschaft haben, stark zu machen.Nach geendigten Übungen ging man insgemein ins Bad, wo der Körper vonneuem mit Öl gesalbt wurde, und Homer sagt von einem Menschen, der aufsolche Art frisch aus dem Bade kommt, daß er länger und stärker scheine undden unsterblichen Göttern ähnlich sei. (Joh. Joach. Winckelmann, Geschichteder Kunst des Altertums, 1764.)

GRIECHISCHE ERZIEHUNG.

Die mancherlei öffentlichen Spiele gaben der griechischen Erziehung einesehr eigentümliche Richtung, indem sie Leibesübungen zum Hauptstück der-selben und die dadurch erlangten Vorzüge zum Augenmerk der ganzen Nationmachten. Nie hat ein Zweig schönere Früchte getragen als der kleine öl-,Efeu- und Fichtenzweig, der die griechischen Sieger kränzte. Er machte dieJünglinge schön, gesund, munter; ihren Gliedern gab er Gelenkigkeit, Eben-maß und Wohlstand; in ihrer Seele fachte er die ersten Funken der Liebe fürden Ruhm, selbst für den Nachruhm, an und prägte ihnen die unzerstörbareForm ein, für ihre Stadt und für ihr Land öffentlich zu leben; was endlich dasschätzbarste ist, er gründete in ihrem Gemüte jenen Geschmack für Männer-umgang und Männerfreundschaft, der die Griechen ausnehmend unterscheidet.Nicht war das Weib in Griechenland der ganze Kampfpreis des Lebens, aufden es ein Jüngling anlegte; die schönste Helena könnte immer doch nur einenParis bilden, wenn ihr Genuß oder Besitz das Ziel der ganzen Mannestugendwäre. Das Geschlecht der Weiber, so schöne Muster jeder Tugend es auch inGriechenland hervorgebracht hat, blieb nur ein untergeordneter Zweck desmännlichen Lebens; die Gedanken edler Jünglinge gingen auf etwas Höhereshinaus; das Band der Freundschaft, das sie unter sich oder mit erfahrenenMännern knüpften, zog sie in eine Schule, die ihnen eine Aspasia schwerlichgewähren konnte. Daher in mehreren Staaten die männliche Liebe der Grie-chen, mit jener Nacheiferung, jenem Unterrichte, jener Dauer und Aufopfe-rung begleitet, deren Empfindungen und Folgen wir im Plato beinahe wie denRoman aus einem fremden Planeten lesen. Männliche Herzen banden sichaneinander in Liebe und Freundschaft, oft bis auf den Tod; der Liebhaberverfolgte den Geliebten mit einer Art Eifersucht, die auch den kleinsten Fleckenan ihm aufspähete, und der Geliebte scheute das Auge seines Liebhabers alseine läuternde Flamme der geheimsten Neigungen seiner Seele. Wie uns nundie Freundschaft der Jugend die süßeste und keine Empfindung dauernderist als die Liebe derer, mit denen wir uns in den schönsten Jahren unsrer er-wachenden Kräfte auf einer Laufbahn der Vollkommenheit übten, so war denGriechen diese Laufbahn in ihren Gymnasien, bei ihren Geschäften des Kriegesund der Staatsverwaltung öffentlich bestimmt, und jene heilige Schar derLiebenden davon die natürliche Folge. (Joh. Gottf. Herder, Ideen zur Philo-sophie der Geschichte der Menschheit, 1784/91.)

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