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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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schlössen und rein zu bewahren.--------Denn der Unschuld gerade ent-gegengesetzt ist jene falsche Scham, die unter dem Scheine der Ehrbarkeitinsgeheim die Lüsternheit nährt, die, wie eine verschlossene Glut, die Jugend-blüte zerstört und oft eine reichbegabte Natur zu jeder edlen und großen An-strengung untüchtig macht. Wer aber war züchtiger als die hellenischeJugend in des Lebens gewöhnlichem Verkehr ? Wo wurde die Unschuld sorg-fältiger bewahrt und die heilige Scham mit größerer Weisheit gepflegt? OhneArges trieben sie ihr erfrischendes Geschäft, schöner bekleidet von dereigentümlichen Heiligkeit der Jugend als von dichten Gewändern, undin kräftiger Anstrengung begriffen, durch die Lust an der Übung selbstbegeistert, hatten sie in ihrer Nacktheit eine hinlängliche Schutzwehr gegenden Gifthauch unreiner Begier. So wirkte die Gymnastik sittlich wie dieKunst.

Die sittliche Wirkung der Gymnasien tönte durch das ganze Leben der Griechenfort, und weit entfernt Schulen der Schamlosigkeit zu sein, gewöhntensie vielmehr, die Schönheit nicht bloß zu unterscheiden sondern zu ehren.Daher hat denn auch die Kunst bei keinem andern Volke die Nacktheit anmännlichen und weiblichen Körpern mit größerer Keuschheit behandelt, nochsich bei der Darstellung des Menschlichen und Göttlichen weiter von der lü-sternen Üppigkeit entfernt gehalten, zu welcher die neuere Kunst, unbeküm-mert um die Forderungen der Religion und Zucht, nur allzuoft herabgesunkenist. Auch waren es vornehmlich die Gymnasien, in denen, fern von entehren-dem Verdachte, die Freundschaft schöner Jünglinge aufwuchs, die das Zeitalterder Heroenwelt fortzusetzen schien, und, wie sie aus Tugend entsprang, so auchTugend erzeugte. (Friedr. Jacobs, Erziehung der Hellenen zur Sittlichkeit,1808.)

GYMNASTISCHE ERZIEHUNG.

Es ist einigen eingefallen, daß die frühzeitigen Übungen der schönen Formder griechischen Jugend mehr nachteilig als vorteilhaft gewesen. Man könnteglauben, daß die Anstrengung der Nerven und Muskeln dem jugendlichen Um-risse zarter Leiber anstatt des sanften Schwungs etwas Eckiges und Fechter-mäßiges gegeben. Die Antwort hierauf liegt zum Teil in dem Charakter derNation. Ihre Art zu handeln und zu denken war leicht und natürlich; ihreVerrichtungen geschahen, wie Perikles sagt, mit einer gewissen Nachlässigkeit,und aus einigen Gesprächen des Plato kann man sich einen Begriff machen,wie die Jugend unter Scherz und Freude ihre Übungen in ihren Gymnasiengetrieben, und daher will er in seiner Republik, daß alte Leute sich daselbsteinfinden sollen, um sich der Annehmlichkeiten ihrer Jugend zu erinnern.Ihre Spiele nahmen mehrenteils bei Aufgang der Sonne ihren Anfang, undes geschah sehr oft, daß Sokrates so früh diese Orte besuchte. Man wähltedie Frühstunden, um sich nicht in der Hitze zu entkräften, und sobald dieKleider abgelegt waren, wurde der Körper mit Öl, aber mit dem schönen atti-schen öle überstrichen, teils sich vor der empfindlichen Morgenluft zu ver-

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