tüchtig zu machen und dabei mit Anmut und Gewandtheit aufzutreten; unddaß dies nicht nur ein Wortgepränge ist für diese Gelegenheit, sondern Tatsacheund Wirklichkeit ist, beweist die Macht unseres Staates selbst, die wir durchdiese unsere Eigenschaften gegründet haben . . . Von dieser Macht haben wirgroße Denkmäler und sprechende Zeugnisse aufgestellt und werden dafür vonMit- und Nachwelt Bewunderung ernten, ja, wir bedürfen nicht einmal derLobgesänge eines Homer oder wer sonst mit Heldengedichten den Augenblickerheitert, aber seine Dichtung sehr bald durch die Wirklichkeit widerlegt sieht,haben uns vielmehr in allen Ländern und Meeren mit kühnen UnternehmungenBahn gebrochen und überall unvergängliche Andenken im Guten oder Bösenhinterlassen. (Lqrenz Grasberger, Erziehung und Unterricht im klassischenAltertum, 1864.)
ATHLETIK UND GYMNASTIK.
Um hier nun nicht durch Vermischung verschiedenartiger, obgleich nahverwandter Gegenstände das Urteil irrezuleiten, muß man sich hüten, Gym-nastik zu verwechseln mit Athletik. Nur jene wurde für ein Mittel der Bildungfreier Jünglinge gehalten, während Athletik für ein Handwerk galt, das oftden Leib verunstaltete, den Geist aber entweder leer ließ oder sogar zur Ver-wilderung führte. Denn indem die Athletik, in ihrer Ausartung der Kunst desEquilibristen verwandt, nicht den ganzen Körper, sondern nur diese und jeneseiner Kräfte bis zur höchsten Vollkommenheit, ja, bis zum Wunderbaren zusteigern bemüht war, strebte die Gymnastik, bei gleichförmiger Ausbildungaller Teile des Leibes, seine Gesundheit zu fördern und ihn für jeden Gebrauchgewandt und tüchtig zu machen. Es ist eine irrige Vorstellung, den Zweckdieser Übungen lediglich auf den Krieg zu beschränken, zu dessen Mühselig-keiten sie freilich auch vorbereitete, aber nicht mehr, als sie lehrte, sich in dieMuße des Friedens zu schicken. Denn das, was sie unabhängig von jedemGebrauche beabsichtigte, war, dem Geiste durch das Bewußtsein der Herr-schaft über den Leib im gesunden Zustande desselben, und durch die Eintrachtzwischen dem gehorchenden und dem gebietenden Teile die angemessensteRuhe zu schaffen und die innere Harmonie eines freien Geistes in der äußerenErscheinung darzustellen. Daher wurde der Mangel desjenigen Anstandes,den die Gymnastik gewährt, als das Kennzeichen eines Barbaren und Unfreiengerügt, indem entweder die rohe Körperkraft oder die schwächliche Untüch-tigkeit des Leibes einen widrigen Mangel des Gleichgewichts kundgibt.Indem nun die aufblühende Jugend unter den Augen ihrer Pädagogen undder von der Obrigkeit bestellten und beobachteten Übungsmeister, bei denendie Gesinnungen und Sitten nicht weniger als die Kenntnis ihres Geschäftesgefordert wurde, in einem geweihten und von Göttern geschützten Bezirkeein mühsames aber erfreuliches Spiel nach einer strengen Methode und denbestimmtesten Gesetzen trieb, wurde sie nicht nur gewöhnt, sich mit Lust demGesetze zu fügen, was die Grundlage bürgerlicher Zucht und Ordnung ist,sondern lernte zugleich, was nicht weniger Beachtung verdient, bei den un-verhüllten Übungen die heilige Scheu, die Wurzel aller Sittlichkeit, festge-
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