lution, welche die Menschheit rings umher ergriffen, und an deren Spitzedie Kaiser selbst sich stellten, da sie doch vor allen anderen berufen gewesenwären, das Beispiel der Frömmigkeit zu geben und der Umkehr jedes Beste-henden mit ihrer ganzen Macht entgegenzuarbeiten. Was seitdem von denAnhängern des Alten einem neuen Prinzip vorgehalten ist: die Notwendigkeitder Pietät für das Überkommene, die langbewährte Weisheit und Wahrheitdes Angegriffenen, welches so lang den Menschen genügt und sie beglückthabe, die historischen und juridischen Rechte, die Sympathien für das vonden Vätern Ererbte, die Versicherung, sich nie zu den neuen Ideen bekehrenzu können: Alles spricht bereits diese Bittschrift aus; und spricht es edler,schöner, ja selbst mit mehr Weite des Geistes aus, als es oft in ähnlichenFällen seitdem zu geschehen pflegte. Denn noch breitet die Antike einen leisenGlanz über die Schrift des römischen Senators aus, wie der letzte melancho-lische Abendschimmer nach einem prachtvollen bunten Tage. (HeinrichRichter, Das weströmische Reich. 1865.)
UNTERGANG DER GESTALTENWELT.
Seit Alexanders Heerzug die Pforten des Ostens bis zum Indus geöffnet hatte,war von Jahrhundert zu Jahrhundert offenbarer geworden, daß die Kulteder Götter und Staaten der Helden Boden und Grenze verloren, daß mit demEinen Herrscher das Eine Weltreich, mit dem großen Reiche der Ein- oderAllgott der Welten die neue jungfräuliche Erde überschatten sollte.Aber dieser ungeheure Wandel bedeutete Kampf und Untergang der alten,Kampf und Sieg der neuen Macht: die Wirbel des Endes und des Anfangsstürzten ineinander und da nichts mehr und noch nichts galt, schrie dieSibylle wieder Fluch und Weissagung über die frevelnden Geschlechter unddie Dichter stöhnten, die Götter hätten die Welt verlassen und dem Verderbenpreisgegeben. Da schien der Augustus die Welt zu retten: Kaiser und Gott ineiner Person, Einheit und Frieden bringend, Duldung und Wohlfahrt! Retterund Heiland wurde er genannt! Doch zu bald nur zeigte sich, daß im Augustusdas ersehnte Heil nicht lag, die Schuld die er sühnen sollte, verhundertfachtendie Frevel der Cäsaren: aus dem Geschlechte der Venus konnte der Gesalbtenicht mehr kommen noch aus irgendeinem der anderen Götter. Nicht einmalHerr der Erde konnte der Augustus bleiben, denn er konnte als Herrscher denstaatlichen Bau nicht halten, weil er als Gott den geistigen Raum nicht füllteund neu belebte: bald brachen im Norden und Osten die Grenzen ein undtiefer noch als Germanen und Parther drangen die fremden Götter ins Reichund eroberten Rom. Augustus war nicht der Eine sondern einer unter vielenim Pantheon Rom. Von Osten fluteten die fremden Dienste herein: ausÄgypten der Isis, aus Chaldäa-Persien des Mithras, aus Judäa des Jahve,aus Kleinasien des Attis und der Großen Mutter und in Italien und Hellasselbst standen die unter der Herrschaft der Homerischen Olympier ver-schwiegen erhaltenen orphischen und lunaren Dienste längst versunkenerpelasgischer Vorzeit wieder auf und zerlösten von innen die staatlichen Körperder Völker. Die ganze Tiefe des um das Mittelmeer gelagerten geistigen
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