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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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DER ALTERNDE SENAT: SYMMACHUS.

Der römische Senat und die großen heidnischen Priesterkollegien, von Gratiantief beleidigt und erschreckt, um ihre alten Privilegien und Einnahmen ver-kürzt, sogar des römischen Bürgerrechtes teilweise beraubt, da sie keine Gütermehr testamentarisch empfangen durften, in ihren Deputationen, mit ihrenBitten um Wiederherstellung schroff und verächtlich abgewiesen, hofften vonValentinian eine bessere Antwort. Sie mochten sich schmeicheln, daß einKaiser, welcher trotz des eben geschlossenen Friedens sehr schwankend aufdem Throne saß, es vorziehen würde, eine so zahlreiche Partei wie die heid-nische gewinnen zu wollen, statt sie in ihren edelsten und wichtigsten Organennoch mehr zurückzustoßen. Außerdem waren Justinens arianische Tenden-zen, ihre Mißerfolge gegenüber den Nicänern allgemein bekannt; die Unter-drückten pflegen Sympathien für einander zu bekommen und gemeinsameInteressen zu finden; so stand desto mehr zu hoffen, die Kaiserin Mutter undihr Sohn würden religiöse Maßregeln aufheben, welche von der Tyrannei desNicänismus ausgegangen waren. Noch einmal nahm der Senat das Amt aufsich, die angegriffene Religion, ihren Kultus, ihre Priester beim Augustus zuvertreten; und wiederum ward der beredte Symmachus zum Vorsprecher indieser heiligen Sache gewählt. Er bekleidete dieses Jahr die erlauchte Magi-stratur des Präfekten von Rom; dies machte ihn doppelt geeignet, eine Stadtzu repräsentieren, welche mehr als jede andere der Welt Beruf und Neigunghatte, die alten römischen Staatsgötter zu ehren und zu schützen, und die jedenAngriff auf die althergebrachte Religion am bittersten empfand. Er war dem-nächst das ausgezeichnetste Mitglied des Senats, und wie kein anderes alsRepräsentant der Kurie berufen; er war die beste geistige Kraft, der vortreff-lichste Schriftsteller, über welchen das sinkende Heidentum im Abendland zuverfügen hatte.

Der Senat wagte es nicht zum zweitenmal, durch eine Deputation dem Impe-rator zu nahen; denn er fürchtete für sie dasselbe Geschick, welches derBischof von Mailand der ersten am Hofe Gratians bereitet hatte. Deshalbverfaßte Symmachus eine Bittschrift um Wiederherstellung der früheren reli-giösen Verfassung, und sandte sie an den Kaiser ein. Dies ist die berühmte,,Relation" des Senators Symmachus an die Kaiser Valentinian, Theodosiusund Arcadius, welche im abendländischen Reiche mehr Aufsehen hervorrief,die Geister nachhaltiger beschäftigte, als mancher Einbruch eines germani-schen Volkes oder die Erhebung manches Usurpators. Und noch jetzt hatsie ihre Bedeutung; wenige werden sie ohne Interesse und Rührung lesen.Sie ist einer der letzten Laute des sterbenden Heidentums in lateinischer Zunge,eine tief erregte, aber sanfte Bitte um Leben und Gnade an die, welche dieHand zum letzten Todesstoß bereit hatten, und denen man einen andernWiderstand entgegenzusetzen nicht Kraft oder Mut besaß. Selten erhebt sichder Ton zu einem leisen Vorwurf, einer demütigen Ermahnung aus der elegi-schen Klage, welche alles durchfließt. Es ist als hätte jedes Wort eine Träneüber den Sturz der römischen Herrlichkeit und ihrer Götter, über die Ent-weihung alles Heiligen, über die freche Gottesleugnung, die frevelhafte Revo-

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