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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
Seite
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Welche Kräfte überhaupt jene denkwürdige Übergangszeit der alten in dieneue Welt und in ihr die Seele des Constantinus bewegten, beweisen am klar-sten die, wie es scheint, wenig beachteten Nachrichten über die Porphyrsäuledes byzantinischen Forums. Um die neue Roma der alten so ähnlich als mög-lich zu machen und das Glück der verlassenen auch auf die neugegründeteWeltstadt zu übertragen, ließ nämlich der Kaiser in Mitte des Forums, wogegen Westen der Weg nach Rom führte, eine aus Rom herübergeholte hundertFuß hohe monolithe Porphyrsäule, welche die Römer aus Ägyptisch-Thebengeholt hatten, aufrichten. Die Überfahrt des Kolosses dauerte drei Jahre,seine Aufrichtung ein volles Jahr. Als er in Konstantinopel angekommenund aus den Flößen in die Stadt gebracht werden sollte durch das sogenannteSophientor und der Boden dort weich und sumpfig war, sodaß man fürchtete,die Säule werde auf ihm nicht fortgebracht werden können, machten sie zudiesem Zwecke einen eisernen Schienenweg, woher dann später das genannteTor den Namen der eisernen Pforte erhielt. Auf der Spitze der Säule ließ ereine aus Ilion hergebrachte eherne Apollonstatue unter seinem Namen weihen,in ihr einen Teil des Kreuzes Christi, welches seine Mutter Helena in Jerusalemwiedergefunden hatte, verbergen, das Haupt derselben mit einem Strahlen-kranze, der aus Nägeln des Kreuzes Christi gebildet war, umgeben, und zwi-schen die Strahlen selbst die Worte schreiben: dem der Sonne gleich leuchten-den Constantinus: damit er wie ein Abbild der neuen Sonne der Gerechtigkeitüber seiner Stadt walte. Endlich in der Basis dieser Säule ließ er, wie einSibyllenspruch es vorausgesagt hatte, und wie die konstante Tradition derByzantiner behauptet, das heimlich aus Rom weggenommene Palladium mitvielen andern Schicksalspfändern des Reiches beisetzen: damit, solange siedieses Heiligtum bewahre, die Stadt unversehrt bleibe. An diese Porphyrsäuleund was sie enthielt knüpfte sich dann bis in späte Zeiten hinab unter denChristen der' Hauptstadt ein förmlicher abergläubischer Kultus, indem mansie durch angezündete Wachskerzen und Weihrauch verehrte und^durch Ge-lübde und Bittgebete zur Abwehr jeder Not anrief: wie es denn überhauptschwerlich wird geleugnet werden können, daß seit dieser Zeit dem wahrenChristentum ein hellenisches Christentum angewachsen ist. In der Nacht vom28. auf den 29. März 416 hat sich von der Basis dieser Säule ein großer Steinabgelöst, worauf dann in demselben Jahre alle Wirbelsteine derselben neu ge-bunden wurden; und am 5. April 1101 wurde die Statue des Constantinus aufihr durch einen heftigen Sturm und durch den Blitz zerschmettert: der größereTeil der Säule selbst aber steht bekanntlich noch heute, und die Kleinodienin ihrer Basis, die ältesten Heiligtümer der europäischen Kulturgeschichte,harren fortwährend ihrer Erlösung. Wenn dies Palladium, welches Trojamit Rom, Rom mit Konstantinopel verknüpft hat, und dieses mit einer ande-ren Stadt auf slawischer Erde verknüpfen wird, aus seiner engen Behausungbefreit zum drittenmal aufsteigt an das Licht der Sonne: dann erst wird dergegenwärtige Welttag unter- und unsern Enkeln vielleicht ein neuer aufgehen.(Ernst v. Lasaulx, Der Untergang des Hellenismus, 1854.)

8 Wolters, Der Deutsehe. I. 11^