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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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Nichts wurde mehr vermieden als der Anschein von Herrschaft. Sie wurdegeübt, ja nicht genannt. Man durfte nicht wissen, daß Rom einen Herrnhabe. Und wieviel erfand er, um den Unterworfenen alle müßigen Stundenmit Genüssen zu füllen, und alle großen Talente mit Literatur und Verwal-tungen zu beschäftigen; wie wußte er die Werkzeuge der Macht, seine Legionen,zugleich zu ehren und fern und in Ordnung zu halten; Wohlstand aber undFriede so zu begründen, daß man anderer Zeiten zu gedenken weder Zeit nochLust habe; indes begünstigte er, daß Livius die Geschichte derselben frei-mütig schrieb, auf daß niemand glaube, er scheue sie, und sie haben sichgeändert. So das Kaisertum den Nationen einzuzaubern, war seine fünfzig-jährige Arbeit. (Joh. v. Müller, Über den Untergang der Freiheit der altenVölker, 1806.)

ROM BESIEGT DEN ORIENT UND GRÜNDET DAS ABENDLÄNDISCHE

REICH.

Nach dem Kampfe mit Hannibal führt Rom nur noch auswärtige Kriege.Was Alexanders östliche, Karthagos westliche Eroberungen auf kurze Zeitgewissermaßen mit Beschlag belegt hatten, wird dauernder Besitz der abend-ländischen Ämaden. Der höhere Gedanke des Westens auferlegt sich überallkraft seiner inneren Macht trotz der zunehmenden Korruption seines Trägers.Selbst in dem ungeheuren Waffengetümmel der bürgerlichen Kämpfe ver-bindet sich mit dem Parteizwecke stets die Weltfrage, ob Orient, ob Okzident?Mit Pompeius, Brutus, Cassius, zumal mit Antonius erliegt dem Westen derOsten, mit ihrem Untergang vollendet sich Asiens Ruin. Nicht dem Buhlender ägyptischen Kleopatra so wenig als früher Alexandern, dem die Sage eineähnliche Begegnung mit der meroitischen Candace andichtet, sondern demzweiten Besieger der orientalischen Königsfrau, dem neuen Orest, der denVatermord rächt, überliefert der Geschichtsgeist die Ordnung des Weltreichs,von dessen abendländischen Gedanken die heutige Bildung ihren Ausgangnimmt. Fremdartig und unverständlich stehen unserm Bewußtsein alle Kämp-fer der orientalischen Welt entgegen. Wir fühlen die Kluft, welche Naturenwie Hannibal, Mithridat, Jugurtha von der unsern trennt. Aber in den Sci-pionen, Catonen, Juliern lebt europäischer Geist, den wir aufzunehmen ver-mögen, in ihren staatlichen und rechtlichen Schöpfungen ein Kern von Ge-danken, dessen Aneignung uns noch heute möglich, meist Bedürfnis, nichtselten Trost ist. Rom hat etwas durchaus Neues in die Welt eingeführt. MitStolz durfte es auf die Ebene am Ida zurückblicken, denn in dem troischenUrsprung seiner ältesten Geschlechter lag kein Wahn. Aber nicht Troja,nicht das assyrische Heraklidentum war am Tiberufer wieder erstanden, wieder Aeacide Pyrrhus sich zu überreden suchte, vielmehr aus den Trümmern derOstwelt der neue abendländische Staatsgedanke hervorgegangen. Verständnislosurteilten alle jene, welche dem großen Julier die Absicht der Rückkehr nachdem Ausgangspunkte beilegten. Wohl hatte die Wiege seines Geschlechtsin Asien gestanden, aber aus dem Sohne der orientalischen Aphrodite warder Vollender und Herr des abendländischen Reiches geworden. Cäsar ist

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