vorzugsweise der okzidentalische Held, das von ihm gegründete kaiserlicheRom ganz auf das Abendland gebaut und daher durch zwei Jahrtausende mit
ihm vereinigt geblieben.--------
Wir, die wir diesen Entwicklungsgang in seiner innern Gesetzmäßigkeiterkennen, vermögen nun auch die Stellung zu würdigen, welche das größteEreignis seit der Vertilgung Karthagos, die Zerstörung Jerusalems, zu demGanzen der römischen Geschichte einnimmt. Der Untergang des Jehova-tempels sichert der Tiberstadt und durch sie dem Abendlande die Erbfolgein ein neues Prinzipat, das religiöse, und dies zu derselben Zeit, in welcher dasHaus der Flavier dem durch die Julier begründeten Cäsarismus seine Voll-endung bringt, und durch die Niederwerfung des Claudius Civilis den erstenVersuch, dem römischen Reiche ein selbständiges nordisches gegenüber zustellen, vereitelt. Karthagos und Jerusalems Fall sind nicht nur die vorzugs-weise tragischen Ereignisse des erstaunlichsten aller Dramen der römischenGeschichte, sondern auch die zwei wichtigsten Wendepunkte der Weltge-schichte. Wird durch Scipios Tat die politische Emanzipation des Westensvon dem Osten auf alle Zeiten gesichert, so verkündet der Flavier Triumph undsein noch heute erhaltenes Denkmal — das bedeutsamste des Altertums —die Befreiung der Religion der Zukunft aus den Banden des mosaischen Orien-talismus und die Ansprüche der abendländischen Stadt auf die geistige Be-erbung des Morgenlandes. Nicht Byzanz, nicht Antiochia, weder Alexandrianoch die afrikanische Hippo, sondern Rom tritt an Jerusalems Stelle. DasChristentum wird abendländisch und durch diese Assimilation Rom mit demOkzident auf ein weiteres Weltalter hinaus so identifiziert, daß alle neuenKämpfe gegen den Orient als ihr gemeinsames Werk erscheinen. Wie nunItalien die Innigkeit, mit der es schon in dem früheren Weltalter den aus demOsten zugeführten religiösen Gedanken bei sich aufnahm und bewahrte, auchdem Christentum gegenüber von neuem offenbart, wie es zum zweiten Malemit der hingehendsten Aneignung des Fremden die entschiedenste Umprä-gung desselben nach Maßgabe seiner Eigenart verbindet, also daß das Über-kommene bald ganz das Aussehen einer nationalen Schöpfung gewinnt, wiees endlich von allen zugebrachten Gedanken den ältesten, den hieratischenund sazerdotalen Typus des orientalischen Geistes wiederum am längsten,ja, bis heute inmitten einer ganz geänderten Weltbetrachtung sich zu erhaltenweiß und auf diesen eine Weltherrschaft gründet, die das dem Evangeliumfrüher befreundete Griechentum nicht zu erreichen vermag: diese Parallele,so belehrend sie sein mag, liegt außer den Grenzen unserer Betrachtung. Ge-nug, daß wir in dem Gange der alten Geschichte die merkwürdige Doppel-stellung der Tiberstadt zu dem Oriente, einerseits ihre Abhängigkeit vondemselben, andererseits die äußere und innere Überwindung der asiatischenWelt- und Menschenbetrachtung, in derselben Weise, wie sie in den Schick-salen des Tanaquilmythus uns entgegentritt, wiedererkennen. Gegen die alteKultur des Ostens ist Roms Aufgabe gerichtet, zum Erben des Orients, zumBegründer des neuen abendländischen Geisteslebens wird es von der über allerGeschichte thronenden Macht großgezogen. Früher als in unsern Alpenstehen seine siegreichen Heere am Euphrat und Tigris. Die nordische Welt
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