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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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griechische Polis und der Kosmos, so stehen sich die römische Urbs und derOrbis gegenüber. Rom löste das ungeheure Problem, die Stadt auf die Weltauszudehnen, das städtische Bürgertum zum Weltbürgertum zu machen.Es zivilisierte Kelten und Germanen des Westens, es nahm die arischen, se-mitischen und ägyptischen Staatsbildungen in sich auf und vereinigte alleSchöpfungen der antiken Menschheit zu einem Kulturreich. Seinesgleichenhat die Erde nicht gesehen.

Eine zweite Weltsprache hat Rom der griechischen hinzugefügt. Dasorientalische Großkönigtum schuf Rom zur Kaiseridee um, und diese übtihren Zauber auf das politische Vorstellen der Menschen noch heute aus.Von Augustus datierte Eusebius die vierte Monarchie.

Die römischen Kaiser wurden göttlich verehrt, obwohl sie ihre Herrscher-gewalt nicht vom Himmel ableiteten, sondern von der Majestät des römischenSenats und Volks. Auf ihren Münzen stehen die hochtönenden Legendenasiatischer Könige: Regierer des Menschengeschlechts, Befreier der Welt,Wiederhersteller des Erdkreises! Die Erde wird abgebildet als kniendes Weibmit dem Globus in der Hand; der Kaiser richtet dieses Weib auf. Der Glo-bus, in der griechischen Kunst Symbol des Zeus, wurde cäsarisches Symbol.Auf der Antoninussäule stand das Bildnis des Kaisers, den Erdball und dasSzepter in den Händen. Der Genius der Stadt Rom hielt dasselbe kosmischeZeichen. Noch auf der schönsten römischen Senatsmünze des Mittelalters ist dieauf einem Löwensessel thronende Roma dargestellt, in der Linken die Palme,in der Rechten den Erdball, welchen ein Stern bestrahlt. Die Münze trägt diebekannte Legende: Roma Caput Mundi (Regit Frena Orbis Rotundi).Das römische Weltreich gab der geschichtlichen Erde das erste Bewußt-sein gesetzlicher Einheit. Nachdem alle Provinzen das Bürgerrecht erhaltenhatten, bedeutete der Civis Romanus den freien, zivilisierten Menschen über-haupt, den Weltbürger. (Ferdinand Gregorovius, Die großen Monarchien oderdie Weltreiche in der Geschichte, 1890.)

DIE WELT DES AUGUSTUS.

Als Augustus Cäsar die Welt übernahm, war jene Blüte des griechischen Ju-gendalters, dessen Früchte in Vortrag und Kunst wir in unserer späten Reifeals unübertreffliche Muster mit Recht verehren, längst abgestreift, vergessendie antike Hoheit des wunderbaren Morgenlandes, erblichen und erstorben dieHeldenkraft der ersten freien Völker. Nichtsdestoweniger, welche Welt! Vonder scotischen Mauer bis an und über den Euphrat, von dem Sand hinterKyrene bis an die Sümpfe Westfalens der Sitz in der Mitte der kultiviertestenVölker, unter dem gemäßigten Himmelsstrich, überall die lachendste Frucht-barkeit, das Meer von England bis an die Küste von Kolchis, die schönen Län-der alle, und nicht, wie wenn sie jetzt über die Türken erobert würden, sondernin vollkommenstem Bau, von den prächtigsten Städten geziert, überall Ver-feinerung, Luxus, bei allen Überbleibseln der früheren großen Zeit, und dabeiGeist, Gelehrsamkeit, alle Stufen der Bildung in frühester Entwicklung. DieseWelt gehorchte Augustus und gern.

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