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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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war er dennoch der einzige, der das große dem Untergang verfallene System indessen Agonie ehrlich und mutig vertrat. Darum, weil vor der einfältigen Wahr-heit die klügste Lüge innerlich sich zernichtet fühlt, und weil alle Hoheit undHerrlichkeit der Menschennatur schließlich nicht auf der Klugheit beruhtsondern auf der Ehrlichkeit. Darum hat Cato eine größere geschichtlicheRolle gespielt als viele an Geist ihm weit überlegene Männer. Es erhöht nurdie tiefe und tragische Bedeutung seines Todes, daß er selber ein Tor war:eben weil Don Quixote ein Tor ist, ist er ja eine tragische Gestalt. Es ist er-schütternd, daß auf jener Weltbühne, darauf so viele große und weise Männergewandelt und gehandelt hatten, der Narr bestimmt war zu epilogieren. Auchist er nicht umsonst gestorben. Es war ein furchtbar schlagender Protest derRepublik gegen die Monarchie, daß der letzte Republikaner ging, als der ersteMonarch kam; ein Protest, der all jene sogenannte Verfassungsmäßigkeit, mitwelcher Cäsar seine Monarchie umkleidete, wie Spinneweben zerriß und dasSchiboleth der Versöhnung aller Parteien, unter dessen Ägide das Herrentumerwuchs, in seiner ganzen gleißnerischen Lügenhaftigkeit prostituierte. Derunerbittliche Krieg, den das Gespenst der legitimen Republik Jahrhundertelang, von Cassius und Brutus bis auf Thrasea und Tacitus, ja noch viel weiterhinab, gegen die cäsarische Monarchie geführt hat dieser Krieg der Kom-plotte und der Literatur ist die Erbschaft, die Cato sterbend seinem Feindevermachte. Ihre ganze vornehme, rhetorisch transzendentale, anspruchsvollstrenge, hoffnungslose und bis zum Tode getreue Haltung hat diese republi-kanische Opposition von Cato übernommen und dann auch den Mann, derim Leben nicht selten ihr Spott und ihr Ärgernis gewesen war, schon unmittel-bar nach seinem Tode als Heiligen zu verehren begonnen. Die größeste aberunter diesen Huldigungen war die unfreiwillige, die Cäsar ihm erwies, indemer von der geringschätzigen Milde, mit welcher er seine Gegner, Pompejanerund Republikaner, zu behandeln gewohnt war, allein gegen Cato eine Aus-nahme machte und noch über das Grab hinaus ihn mit demjenigen ener-gischen Hasse verfolgte, welchen praktische Staatsmänner zu empfindenpflegen gegen die auf dem idealen Gebiet, ihnen ebenso gefährlich wie uner-reichbar, opponierenden Gegner. (Theodor Mommsen, Römische Geschichte,1854/56.)

WELTHERRSCHAFT ROMS.

In den Städten des Altertums hatte abwechselnd die politische Macht, diereligiöse Idee, die Wissenschaft ihren Sitz gehabt. Memphis und Theben,Jerusalem und Babylon, Athen und Alexandria waren die Stationen des fort-schreitenden Kulturgedankens. Nach dem Abblühen des Hellenentums fielsodann der Schwerpunkt der Geschichte, das heißt das Bewußtsein der Mensch-heit, tiefer ins Abendland, und hier liegt er noch heute. Rom überkam diemakedonische Erbschaft; es nahm auch das asiatische Weltreich und endlichdie Weltreligion in sich auf.

Kein Schauspiel ist größer, als die Entfaltung der römischen Weltherr-schaft aus der Urbs quadrata. Der Beginn ist auch hier die Stadt. Wie die

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