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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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APPIUS CLAUDIUS VOR DEM SENAT.

Pyrrhus hatte vor der letzten Schlacht Frieden auf günstige Bedingungendurch seinen Gesandten Kineas angeboten, und dieser hatte weder Geschenkenoch Bestechungen gespart und die ganze Macht seiner Beredsamkeit auf-geboten, um seinen Zweck zu erreichen. Dem Senat schien es gefährlich, dasSchicksal der Republik noch einmal durch den ungewissen Ausgang einerSchlacht zu gefährden. Daher Zweifel, Schwanken, Unentschlossenheit imRat. Aber Appius, im hohen Greisenalter, schon lange des Lichtes der Augenberaubt und, wie es scheint, an den Gliedern teilweise gelähmt, ließ sich aufeinem Tragsessel nach dem Capitole tragen. Wie nun die hagere Gestalt gleicheiner Erscheinung aus dem Grabe an dem Eingang der Curia erschien, emp-fing ihn ehrfurchtsvolles Schweigen; alle waren von Furcht, Staunen, Be-wunderung erfüllt. Wie aber Appius auf die Schultern seiner Schwiegersöhnegestützt sich erhob, wie seine scharfe helle Stimme durch die Hallen tönte,und der Strom der Rede in Anklagen, Vorwürfen mit bitterm Spott und Hohnüber die Versammlung sich ergoß, wie er gleich einem Seher die unausbleib-lichen Folgen der Feigheit und der Schwäche mit den grellsten Farben vor dieSeele der Senatoren stellte, da kehrte der Geist des alten Roms in die zagendenGemüter zurück. Lauter Zuruf begleitete die Rede des Appius, die Friedens-bedingungen des Pyrrhus wurden zurückgewiesen, die Fortsetzung des Krie-ges beschlossen, und Rom war gerettet. Aber Kineas berichtete seinem Herrn,die Versammlung des römischen Senats sei ihm wie ein Rat von Königen er-schienen. (Franz Doroth. Gerlach, Griechischer Einfluß in Rom, 1872.)

ROM ZUR ZEIT DES MARIUS (NACH SALLUST).

Nicht leicht hat ein Ereignis eine solche Fülle verschiedenartiger Eigentüm-lichkeiten gegeneinander in den Kampf gebracht, und nie ist wohl treffender ge-schildert worden die Wirksamkeit großartiger Persönlichkeiten, und wie durchsie die Menge gehemmt und gefördert ward. Jugurtha, das treueste Ebenbildafrikanischen Stammes, verschlagen, kühn, gewandt, erfinderisch, treulos,wortbrüchig, grausam, durch Verbrechen auf den Thron gestiegen und durchVerrat gestürzt. Ihm gegenüber das stolze Römervolk, das von alter Zuchtund Sittenstrenge mehr Selbstgefühl und äußere Würde als innere Kraft undUnschuld sich bewährt, geteilt in seinem Innersten, entweder herrschsüchtigemAdel willenlos ergeben oder mit verborgenem Grimm die Unterdrückungduldend und zum Widerstände gerüstet. Dort an der Spitze, des Senates Haupt,der große Scaurus, der mit nie gebeugtem Mute und eiserner Beharrlichkeitdes Senates Ansehen gegen jeden Sturm beschützte und selbst die Gegner durchstoischen Ernst zu täuschen wußte. Ihm zur Seite der heftige Opimius, demVorteil der Partei Recht, Ehre, alles opfernd; das Muster strenger Rechtlich-keit, Metellus. Endlich der neuen Bildung Zögling, Cornelius Sulla, der rö-mische Alkibiades, in dessen Wesen seiner Zeiten Tugenden und Laster sichvereint, der unter glatter Außenseite die ungezähmteste Leidenschaft undblutige Grausamkeit verbarg. Im schroffen Gegensatz stehen des Volkes

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