erkundet und sich um seine Huld bewirbt. So wird die Kraft des Menschen nichtdurch einen ertötenden Fatalismus gelähmt, sondern durch ein edles Gott-vertrauen zu jeder Mühe und zu jeder Anstrengung gestählt und angespornt.Das Verhältnis des römischen Volkes zu seinem göttlichen König Jupiterhat einen durchaus edlen und freien Charakter. Die Verheißung ist der Stadtvon oben gegeben, aber nur durch eigene Kraft und Tugend vermag sie denPreis zu erringen. Die Huld der Himmlischen ist ihr stets erreichbar, aber nurdie ängstlichste Sorgfalt vermag sie zu erhalten. Mühevoll ist der Dienst derHimmlischen und nur das reine Herz gefällig, kostbar braucht er nicht zusein. Die Offenbarung wird nie versagt, aber wenn ohne Bitte gesendet,braucht der Mensch sie nicht anzunehmen. Mit der höchsten Notwendigkeitverbindet sich die höchste Freiheit. So ist Roms Größe die Schöpfung seinesVolkes, das Werk seiner Männer. Aber das, woraus diese ihre Kraft schöpften,das, was ihnen stets neuen Mut verlieh, das, was die Decier zum Tode begeisterteund Rom in den schwersten Nöten nie verließ, als alle Stützen brachen, istnur allein jener Glaube an den göttlichen Ursprung des Staats und an die Ver-heißung, welche ihm geworden war. Keine menschliche Größe ist ohne einenHauch der Gottheit. Nemo vir magnus sine aliquo afflatu divino un-quam fuit. Aber ebensowenig hat je ein großes Volk sein Werk vollbracht,ohne lebendigen Glauben an seine göttliche Berufung.
Denn wo immer Großes geschaffen worden ist, da hat es nur durch das Ver-trauen auf den Beistand der himmlischen Mächte zustande kommen können.Hier liegt der wahre und einzige Ursprung einer nachhaltigen Volkskraft. Undhierin ruht auch das Geheimnis der römischen Größe. Nicht die Vollendungder Formen, nicht Gesetze und nicht Verfassungen haben dieses Volk zu demgemacht, was es geworden, dem Herrscher des Erdkreises. Dazu ist es empor-gestiegen durch die Unterordnung seines ganzen Staatswesens unter einehöhere Ordnung der Dinge. Der römische Staat ruht auf einer göttlichenGrundlage, seine Magistratur ist der Ausdruck einer höhern göttlichen Macht,und alle seine Bestandteile werden von religiösen Ideen durchdrungen undgehalten. Zu keiner Zeit ist diese Verbindung des irdischen Staats mit derübersinnlichen Welt aufgelöst worden. Selbst die ausgebildete Demokratie,deren Herannahen Polybius in einer Zeit weissagte, da von dem Hochgefühldes Sieges und im Taumel der höchsten Wonne jeder Laut der Besorgnisverstummte, selbst sie hat es nicht gewagt, die alten Bande ganz zu zer-reißen. -------So ruht auf Rom von seiner Gründung an eine hohe Verheißung.
Durch das Königtum des Gründers kömmt auch der Stadt ihr höchstes Herr-scherrecht, und in dem Augustum Augurium, das dem Romulus die Königs-botschaft bringt, erkennt nur das gesamte Volk die Verheißung seiner eigenengroßen Zukunft, jene Gewißheit der Weltherrschaft, welche ihm von Anfangan innewohnt, die allen seinen Werken das Gepräge der Ewigkeit aufdrücktund seinen schönsten Ausdruck in jenem Dichter gefunden hat, der allesNationale am tiefsten empfand, in Virgil. (Franz Doroth. Gerlach undJ. J. Bachofen, Die Geschichte der Römer, 1851.)
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