Asche des Orestes, das Zepter des Priamus, der Schleier der Helena, dasAncile, das Jupiter nach RomulusTod mit drei Blitzen aus dem sich erschließen-den Himmel sandte, endlich das Palladium. Ihrem Kapitol ist die Weltherr-herrschaft verheißen, ihr sind von dem Gründer drei Namen gegeben, derbürgerliche, Roma, der priesterliche, Flora, und überdies der mystische, Amor.Der letztere ist das große Geheimnis der Stadt, die auf den sieben Bergen sitzt,die Bürgschaft, daß Gott sie niemals verlassen werde, daß er ihr Imperiumimmer mit der gleichen Liebe umfasse. Der bürgerliche, Roma, Valentia,bezeichnet die Kraft der Stadt, deren Grenzen zu verrücken keiner Zeit ge-lingen wird. In dem priesterlichen, Flora, endlich liegt die Zuversicht ewigerJugendblüte, welche Konstantin mit dem Namen selbst auf seine neue Romaüberzutragen beflissen war. Über der Stadt waltet ein geheimnisvolles Wesen,das sie stets schirmt und das doch niemand kennt; die Ewigkeit ist Roms ge-wöhnlicher Titel, mit dem sich die Stadt am liebsten schmückt. Mag sie schönsein gleich andern, ewig ist nur sie allein, durch sie Italien, und das ist es,womit jene Dichterin ihren Lobgesang eröffnete:
Heil sei dir, o Tochter des Ares, Roma,Mit dem Goldband, schlachtenbeseelte Herrin,Die Olympos Pracht du bewahrst auf ErdenStets unerschüttert.
Dir allein gab Möra die allerhabene,Hoheit unzerreißlicher Königsherrschaft,Daß du stets die Herrengewalt besitzendFührest die andern.
Dieser Glaube an eine göttliche Verheißung begleitete Rom von der Wiege biszum Grabe. In ihm liegt das Geheimnis seiner Macht und Größe, in ihm dernie versiegende Quell jener inneren Kraft, die sich in den größten Nöten zu dergrößten Anstrengung aufraffte, in ihm jenes Gottvertrauen, das nie an dieMöglichkeit dachte, als könnte Jupiter je sein Volk verlassen, das von demersten Tage an Roms Unsterblichkeit vor sich sah und sie darum auch errang,weil es an sie glaubte. Aber zu dem hohen Ziele, das der himmlische Herr-scher verheißen, kann auch nur er sein Volk geleiten. Er ist es, der Glück undGedeihen sendet, er, der die Legionen zum Siege führt. Und so muß auch jedesUnglück nur eine Ursache haben: den Zorn der Gottheit. Es ist die Strafe desAbfalls von ihr und erfolgt jedesmal, wenn entweder ihre Offenbarung vernach-lässigt oder ihr Dienst versäumt worden ist. Daher wird die ängstlichste Sorgeauf die Versöhnung der himmlischen Mächte und die Erforschung ihres Willens inden Auspizien verwendet. Jupiter hört nie auf, sich seinem Volke zu offenbaren,und wie er ihm vor alters die Herrschaft verheißen und ihre Pfänder gesendet,so zeigt er ihnen nun ohne Aufhören die Wege, sie zu erringen. Er gibt ihmkeinen mühelosen Sieg, erspart ihm keinen Kampf und keine Arbeit. Aberdie Mittel zum Siege weist er ihm an. Er offenbart sich dem, der seinen Willen
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