Asien haben ihnen Raum gegeben, sich zu entwickeln, das schnelle Zer-splittern seines Reiches läßt sie sich in verschiedenen Formen gestalten. DieLiteratur gleich nach seinem Tode ist reich an Schriften über das Königtumgewesen; in mannigfaltigster Weise hat sich die Theorie mit den neuen Bil-dungen beschäftigt, sie beherrscht die derzeitigen Erzeugnisse historischerPhantasie. Ein Königtum an der Spitze eines Volksheeres, die Strategie deshochgebildeten Griechentums hat jene Eroberungen gemacht; makedonischeWaffen und griechische Bildung sind die nächsten Stützen der neuen Reiche;eine unendliche Mannigfaltigkeit von Rechten, Verfassungen, Bildungen, Kultenwird subsumiert unter dem neuen Interesse des Staates, der, ohne aus ihnenhervorgegangen, mit ihnen in natürlicher V/eise verwachsen zu sein, in ab-gesonderter und in sich geschlossener Weise über ihnen ist, der, umgeben vonanderen in ähnlicher Weise begründeten Staaten, sich zu ihnen in der Weiseder Kabinettspolitik und des Territorialinteresses verhält, in gegenseitigerAnerkennung und Garantie sein Recht hat; — Königreiche, auf stehendeHeere gestützt, nach außen und innen als einige staatliche Macht darge-stellt, in der alles Recht und Anerkenntnis der Zugehörigen zusammen-gefaßt ist, durch zentrale Administration regiert, deren Ausgangspunkt derHof und das Kabinett des Königs ist; — und dieser König selbst als diepersönliche Darstellung des Staates ein Gegenstand der Verehrung und desKultus, wie weiland die Stadtgottheiten, in denen die alten Politien die Ideedes Staates dargestellt sahen und als präsente Macht verehrten; ein völligerGegensatz des Staatlichen und Religiösen, die einst ebenso völlig verschmol-zen waren.
Wie weit von seinen Anfängen hinweg ist nun der hellenische „Staat"! Erist sich selbst nicht mehr gleich, aber aus seiner eigenen Entwicklung her hater sich zu diesen hellenistischen Formen umgestaltet. Die Zeit, wo man nurAthener, Spartaner, Tarentiner, nur Bürger sein konnte, ist vorüber. Es istdie Sphäre des Privatlebens möglich geworden, und die verwandelte Stim-mung findet in Epikurs Lehre ihren Ausdruck und Zusammenhalt. Ja, nochin umfassendererWeise sinkt die alte Beschränktheit. Im Anfang war die sprö-deste Absonderung der kleinen und kleinsten Stadtgebiete: schon der Bürgerder Nachbarstadt war ein Fremder, war ein Feind, soweit nicht besondereVerträge oder heilige Vereinigungen den Frieden schützten. Dann erwachtedie Vorstellung des gemeinsamen Griechentums; desto schärfer empfand manden Gegensatz gegen die Barbaren; noch Aristoteles sagt: „Sie sind geboren,Sklaven zu sein." Er riet dem Alexander, die Griechen als Feldherr, die Bar-baren als Herr zu behandeln, für jene als für Freunde und Verwandte zu sor-gen, mit diesen wie mit Pflanzen und Tieren zu verfahren. Auch dieser, derletzte naturbestimmte Gegensatz mußte sinken. Alexander begann das großeWerk: „Allen befahl er," sagt ein alter Schriftsteller, „als ihre Vaterstadt dieWelt, als deren Akropolis das Lager, als Verwandte die Wackeren, als Fremd-linge die Schlechten anzusehen". „Und die vielbewunderte Politik Zenons,des Begründers der stoischen Schule," sagt derselbe Autor, „läßt sich füglichin diese Hauptlehre zusammenziehen: daß wir nicht mehr nach Städten undGauen getrennt, jeder durch eigene Gerechtsame gesondert wohnen, sondern
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