sollen als unvollkommene Bürger angesehen werden; die Arbeit soll verteiltwerden nicht bloß für die notwendigen Bedürfnisse des Lebens, sondern auchfür die Verwaltung des Staates und für das Kriegswesen. In diesen und ähn-lichen Sätzen der aristotelischen Politik fühlt man die verwandelte Anschau-ungsweise jener Zeit; es gilt Gliederungen innerhalb der Verfassungen zugewinnen, in denen die natürlichen Unterschiede schon nicht mehr von selbstgelten, die Zeit, wo „die Stadt" die letzte politische Einheit, gleichsam die Mo-nade des staatlichen Lebens war, ist dahin, und die demokratische Weise derZeit, verbunden mit der Ausschließung der Sklaven, der Fremden, macht esunmöglich, neue organische Bildungen im Bürgertum selbst zu gewinnen;jeder Versuch bringt statt Stände Faktionen hervor. Die Theorie, wie sie ausden alten historischen Bildungen abgeleitet ist, genügt nirgend; die erwachtenBedürfnisse drängen zu anderen Abhilfen. Die neuen Tendenzen wenden ihreKraft nach der entgegengesetzten Seite hin; jene politischen Einheiten selbstmüssen überholt werden von größeren, umfassenderen Allgemeinheiten;von der Stadtverfassung muß emporgestiegen werden zu Staatsverfassungen,innerhalb deren jene selbst zu einer nur kommunalen Selbständigkeit wird,aber so, daß sie in dem allgemeinen Verbände ihr Recht und ihre Garan-tie hat.
Auf zwei Wegen scheint dies möglich zu sein, durch föderative oder monarchi-sche Bildungen; dies sind die beiden Prinzipien der hellenistischen Zeit. BeideWege, der monarchische und föderative, scheinen sich vereinen zu wollen.Philipp überwältigt die zersplitterten Kräfte Griechenlands, dann erweckt erdie alte, abgestorbene Amphiktyonie von neuem, er vereint die Politien Grie-chenlands in dem Synedrion von Korinth, er läßt sich zum gemeinsamenFeldherrn der verbündeten Griechen ernennen; nach innen selbständig, sollensie eine Einheit bilden zum Kampf gegen die Barbaren; es scheint endlich, alswenn sich der große Gegensatz der Einheit und Freiheit versöhnen will. AberPhilipps, Alexanders Macht ist zu überlegen, als daß die innere Selbständig-keit der Stadtverfassungen ungefährdet bleiben könnte, der partikularischeTrieb in ihnen zu mächtig, als daß sie nicht den nächsten Anlaß benutzensollten, die Bundesverfassung zu zersprengen. Wie wüst sind die KämpfeGriechenlands in der Diadochenzeit; immer wieder ertönt der Ruf zur Frei-heit; aber sie hat nirgend mehr eine Stätte, da sie ihre letzte Sicherung undMöglichkeit, die in der Einheit, verschmäht hat; den alten sporadischenPolitien bleibt nichts als Ohnmacht und schmerzliche Erinnerung; dasLeben des Griechentums scheint vollkommen erstorben. Aber aus dem ver-dorrten Stamm, wie ein alter Autor sagt, schlägt an der Wurzel nochein neuer Trieb aus: in dem achäischen Bunde verwirklichen sich endlichjene föderativen Tendenzen. Gleiche Berechtigung der verbündeten Städte,Souveränität der Gemeinsamkeit aller und kommunale Selbständigkeit dereinzelnen, das sind die Hauptmomente in diesem Bundesstaate, der, der Poly-politie früherer Zeiten gerade entgegengesetzt, die staatsrechtliche Entwick-lung der neuen Zeit nach einer Seite hin nicht allein, aber am vollstän-digsten darstellt.Gegenüber stehen die monarchischen Tendenzen. Alexanders Eroberungen in
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