nur faktische Bildungen, überall der Staat nur in der Form der „Stadt",das kommunale und staatliche Wesen ungeschieden. Aber über sie erhebtsich die politische Theorie nicht ohne den Anspruch, die Wirklichkeit umzu-gestalten, von der sie sich schon so weit entfernt hat, da und dort eindringend,in Kritias, Epameinondas, Dion von momentanen Erfolgen; so wie an dieStelle der alten, winkligen Städte, wie die Zeit und das Bedürfnis sie hat ent-entstehen lassen, sich deren neue erheben mit geraden, breiten Straßen undregelmäßig geteilten Quartieren, ebenso beginnen sich in den Verfassungendie neuen rationellen Bestrebungen geltend zu machen. Es ist die bedeut-samste Wendung in der Entwicklung des Griechentums. Mißverstehen wir jeneZeit nicht! Was uns als Grundlage des staatlichen Wesens erscheint, die Frei-heit und das Recht des Individuums, das ist in der Griechenwelt als Verderbender guten alten Zeit eingetreten. In dieser hat es sich von selbst verstanden,daß die einzelnen nur um des Staates willen und durch den Staat sind, siegehen ganz in demselben auf, sie haben keine Möglichkeit selbständiger Exi-stenz außer in ihm; von privaten, von rein menschlichen Beziehungen ist nochnicht die Rede; man ist Bürger und nur Bürger. Dann beginnt die tiefe Um-wandlung: die Sophistik und die spätere Demokratie erheben das Recht desMenschen gegen das des Bürgers, das Interesse der Einzelnen gegen das desStaates; der Staat hat nicht mehr die Macht, die voll und ganz sein zu nennen,welche allein seine Ehren und Pflichten haben. Und doch vermag er ebensowenig, sich zu einer rein territorialen Bedeutung umzubilden; unter den Ein-wohnern des Landes der Geburtsadel, als Bürger dieses Landes geboren zusein, gibt nach wie vor allein die Befugnis, an seiner Souveränität, seinenHerrschaftsrechten, dem Genuß seiner oft einträglichen Ehren teilzunehmen.Schon hat man sich entwöhnt, mit dem Bürgertum die Pflicht der Waffen zuidentifizieren; man läßt das Vaterland durch Söldner verteidigen, und das Pri-vatinteresse der beteiligten Bürger, die Furcht vor außerordentlichen Leistun-gen, vor besonderen Anstrengungen, vor möglicher Auflehnung der Be-herrschten, die man rücksichtslos und eigennützig zu bedrücken fortfährt,bestimmt die Politik dieser republikanischen Staaten. Überall empfindet manden Widerspruch zwischen den hergebrachten Verhältnissen und der besse-ren Einsicht, zwischen den alten politischen Gewohnheiten und Maximenund den neuen Theorien und ihren Forderungen; im Innern wie nach außenhin sind die Staaten von ihren alten Grundlagen gelöst, ohne deren neue ge-wonnen zu haben; ein Zustand voller Unruhe und Schwäche, die Geburts-stätte einer neuen Zeit.
Die Theorie ist es, die diese zu erfassen versucht; sie kehrt mit Bewußtsein zuden alten Grundlagen des Staatslebens zurück. Der Staat ist das Frühere, istdas, um deswillen und durch den die Einzelnen sind. Aber indem dies All-gemeine fordert, als solches zu gelten und zu sein, erhebt sich der Begriff desStaates zu einer Macht über die schon geltenden Ansprüche der Einzelnen, zueiner Abstraktion über der bürgerlichen Gemeinschaft; er ist nicht mehr inder freien und tätigen Mitwirkung aller, er drängt dazu, sich in einigen oderin einem darzustellen, den andern das Bestimmtwerden zuweisend; die einniedriges Gewerbe treiben, sollen ausgeschlossen sein von Amt und Gericht,
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